Der Climate Change Club aus Lagos zu Gast in der Umweltbildungsstätte in Oberelsbach

Der Klimawandel kommt. Oder ist er vielleicht schon da? Während wir in Mitteleuropa noch diskutierten, ob es sich beim Klimawandel nicht etwa um ein Hirngespinst von Ökoaktivisten handeln würde, war er in anderen Regionen der Erde längst schon bittere Wahrheit. Ob es sich um ein Ausbreiten der Sahelzone oder ein Ansteigen des Meereslevels handelt, viele Menschen sind von den Folgen dieser globalen Veränderungen direkt betroffen.

So ist der Klimawandel auch ein Thema im westafrikanischen Staat Nigeria. Bereits 2008 wurde dort vom Umweltministerium in Lagos mit einer intensiven Aufklärungskampagne an den privaten und den öffentlichen Schulen begonnen. Unter dem Namen „Climate Change Club“ wurden Aktionen und Wettbewerbe unter den Schülern ausgeschrieben um Bewusstsein für einen nachhaltigen Lebensstil zu fördern und Projekte zum Weg aus der Klimafalle zu starten.

Während der vergangenen vier Jahre durften die Gewinner dieser Wettbewerbe zu einem zweiwöchigen Studienaufenthalt nach Deutschland reisen. Auch hier war der Klimawandel, sowie Projekte aus dem Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung das zentrale Thema für die Schüler. In diesem Jahr führte der Weg der Preisträger aus Lagos zum ersten Mal in die Rhön, wo sie ein intensives Programm in der Umweltbildungsstätte Oberelsbach erwartete.

Als Einstieg in das Programm der Umweltbildungsstätte Oberelsbach wurde das Modell des ökologischen Fußabdrucks vorgestellt, anhand dessen sich jeder den eigenen Flächenverbrauch, den wir durch unseren Lebensstil verursachen, ausrechnen kann. Hierbei werden alle Elemente des täglichen Lebens wie Ernährung, Transport, Wohnen und Konsum mittels einer Checkliste durchleuchtet. Dieser Fußabdruck wurde dann zur Verdeutlichung real im Gelände abgesteckt. Hierbei standen dem Flächenverbrauch von 6,5 ha einer deutschen Studentin, die an diesem Tag das Programm begleitete, dem Durchschnittsverbrauch eines Nigerianers von nur 1,4 ha gegenüber.

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Der Nachmittag war der Nachhaltigkeit im Wald gewidmet. In einer Waldparzelle im Oberelsbacher Gemeindewald, die von einem Fichtenwald in einen Buchenmischwald umgebaut wird, haben die Afrikaner unter der Anleitung vom Gemeindeförster Matthias Schlund Buchen gepflanzt. Sie haben damit auch einen kleinen Teil ihres durch den Flug nach Deutschland verursachten CO²-Ausstosses binden können. Was sie allerdings an diesem Nachmittag am meisten faszinierte war etwas ganz anderes – es war der Schnee, den alle Teilnehmer der Gruppe zum ersten Mal in ihrem Leben erleben durften.

Das Programm am Abend war ebenfalls ausgefüllt. Mit Hilfe des computerbasierten Planspieles Ecopolicy von Frederic Vester mussten die Geschicke eines fiktiven Staates gelenkt werden. Die Entscheidungen, wie die Staatsfinanzen am Besten eingesetzt werden müssen, um das Land zu einem langfristig erfolgreichen Lebensstil zu führen gingen bis spät in die Nacht.

Der zweite Tag führte die Gruppe zu einem anderen Haus des Zusammenschlusses Rhöniversum,  der Thüringer Hütte. Im dortigen Energiehaus standen Versuche mit der Windkraft an. Durch welche Anzahl an Flügeln am Rotor eines Windrades, und mit welchem Winkel der Rotorblätter gegen den Wind lässt sich der höchste Wirkungsgrad erzielen? Die Schüler waren mit Eifer bei der Sache und haben unterschiedlichste Kombinationen getestet und gemessen. Und bevor die Gruppe am Nachmittag wieder aus der Rhön abreisen musste, gab es noch einen zweiten Exkursionspunkt zum Thema Energie. Thomas Pfeiffer und Roland Göpfert vom Überlandwerk Rhön haben die Gruppe vom Climate Change Club eingeladen, um sich über Fotovoltaik und die Steuerung von Energieflüssen zu informieren. Die vielen gezielten Nachfragen der afrikanischen Gruppe haben gezeigt, das auch dieser Exkursionspunkt von der Gruppe intensiv aufgenommen wurde.

DSC 0137 Bild Anand Anders 620x413 Der Climate Change Club aus Lagos zu Gast in der Umweltbildungsstätte in Oberelsbach

Die Reise der nigerianischen Delegation wurde vom Umweltministerium Lagos finanziert. Die vielfältigen Eindrücke für sowohl die Schüler als auch für die mitreisenden Vertreter des Umwelt- und des Bildungsministeriums werden sicher zu neuen Ideen und Initiativen zum Klimaschutz in Nigeria führen. So war sich der 14jährige Schüler Abdul-Baqee Fashola bei seiner Abreise aus Oberelsbach nicht mehr sicher ob er noch bei seinem ursprünglichen Berufswunsch Chirurg festhalten möchte, oder ob er sich nicht lieber auch beruflich ganz dem Umweltschutz widmen wird.

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