Niklasabend bei den Schellenten

Foto VDN Sonja Haase 300x225 Niklasabend bei den Schellenten

Foto: VDN/Sonja Haase

Sonja Fuhrmann erzählt die Geschichte von den Schellenten und dem Nikolaus:

Frostige Nikolausnacht

Es wurde kalt in der Holsteinischen Schweiz. Der Herbst mit seinen bunten Farben verabschiedete sich diesmal sehr früh.  Erst zaghaft und leise begannen die ersten Schneeflocken vom Himmel zu schweben und deckten das letzte Grün des Jahres zu. Die Kinder freuten sich über die ersten Winterboten und fieberten schon den Schneeballschlachten entgegen.  Auf dem Großen Plöner See sammelten sich schon seit Wochen die gefiederten Wintergäste aus dem Norden und mischten sich unter die daheim gebliebenen Vögel. Braunfeder und Büffel, ein Schellentenpärchen, zogen es wie jedes Jahr vor lieber hier zu bleiben. Sie liebten die vielen Seen und die Schwentine, die sie verband. Ihre vielen Tauchgänge bescherten ihnen oft Leckerbissen. Ihn nannten sie alle „Büffel“, weil sein grüner Kopf mit seinen langen Hinterkopffedern ein bisschen plump stiernackig wirkte. Für Braunfeder war dies nicht wichtig. Für sie war er nur der Mann mit den goldenen Augen, der sie stets sanft anstrahlte wenn sie sich ihm zuwandte. Heute jedoch sah Büffel grimmig gen Himmel. Ihm behagten die kalten weißen Flocken  nicht. Bedeuteten sie doch auch den Beginn der Kälte und der kurzen Tage. Sein Gefühl sagte ihm, dass ihnen einiges Unangenehmes bevorstand. Wie um ihn in seinen Gedanken zu bestärken, setzte ein scharfer Wind ein und das Schneegestöber nahm zu. „Komm“ sagte Büffel zu Braunfeder, „wir müssen Schutz suchen, da braut sich was zusammen“.  Büffel und Braunfeder schwammen ans Ufer einer Insel und kauerten sich unter den wenigen überhängenden kahlen Zweigen zusammen. „Ach Büffel“ sagte Braunfeder, „Wie schade, dass unsere Baumhöhle, die uns der alte Schwarzspecht Klopfgrau geschenkt hatte, durch den letzten Sturm zerstört wurde. Leider war die alte Buche doch nicht mehr so standfest wie ich gehofft habe. Seufzz“. „Ja, das ist zu schade“ sagte Büffel. „Nun müssen wir dieses Wetter  hier draußen ausharren. Normal macht es mir ja nichts aus, aber ich habe da so ein Gefühl, dass dies nicht nur ein kurzer  Schneeschauer ist.“ Still kuschelte sich Braunfeder an ihn.  Von den anderen Vögeln auf dem See war nichts mehr zu sehen. Wer konnte, hat sich ein geschützteres Plätzchen ausgesucht. Büffel sollte recht behalten. Der eisige  Wind nahm immer mehr zu und entwickelte sich zu einem drei Tage andauernden Sturm. Als danach bei sternenklaren Himmel auf einmal Windstille einsetzte, dauerte es erst einmal einen Moment bis Büffel und Braunfeder die Stille wahrnahmen. Sie waren schon ganz steif gefroren in ihrer zusammengekauerte Haltung. Braunfeder merkte es als erste und stupste Büffel an. „Es hat aufgehört Büffel“. „Uhhh ja, Braunfeder, und wir scheinen noch zu leben“ dabei reckte er sich steif.

RRRRRRRRUUUUMMMMSS!!! Plötzlich war die Luft von einem lauten Krachen erfüllt, ein lautes Fluchen folgte. Braunfeder zitterte vor Schreck am ganzen Leib. Sie schauten sich erschrocken an. „Was war denn das?“wisperte Braunfeder.  Büffels Gesichtsausdruck wurde grimmig: „Hmm, wenn uns dieser Sturm schon nicht das Leben gekostet hat, kann mich heute auch nichts mehr wirklich schrecken. Mal sehen was das war“ sagte Büffel. Und er ließ sich ins Wasser gleiten, um die nächste Bucht zu umrunden, woher der Lärm kam. Besorgt blickte Braunfeder hinter ihm her, bis auch bei ihr die Neugier siegte. Sie folgte ihm vorsichtig.

Sie kamen den Geräuschen näher. Ein Lichtschein umspielte eine Gestalt in einem  roten Mantel. Vor ihr stand ein Pferdeschlitten mit zwei schlafenden Pferden davor. Büffel und Braunfeder guckten sich erstaunt an. So etwas hatten sie noch nie gesehen und dann auch noch auf einer Insel! Woher kam diese Gestalt? Wie kam sie hierher? Was hat sie vor? Viele Fragen schossen Büffel und Braunfeder durch den Kopf.

Auf einmal räusperte sich die Gestalt in Rot und sprach sie dunkel an:“ Na ihr zwei habt wohl noch nie den Nikolaus gesehen?!“ Die zwei blickten hinter sich, ob der rote Mann nicht mit jemanden anderes redete oder ob sie gemeint waren. Sie waren erstaunt, dass sie ihn verstehen konnten und er sie in der Dunkelheit sehen konnte. Braunfeder zögerte, gab sich dann aber einen Ruck und antwortete „Nein von einem Nikolaus haben wir noch nie etwas gehört. Warum fluchst du so hier in der Nacht herum?“ Der rote Mann brummelte „Na so was, ich dachte auch alle Tiere wüssten, dass der Nikolaus für den Nikolaustag kleine Geschenke bringt. – Vor allem den Kindern. Ich habe nur heute Abend das Problem, dass bei dieser garstigen Kälte meine Glöckchen vom Schlitten eingefroren sind. Die Glöckchen halten jedoch sonst meine Pferde wach, die von der anstrengenden Fahrt völlig übermüdet sind. Ihr seht ja, dass sie so nicht mehr weiter können. Das ist schlimm. Sehr schlimm. So werden morgen viele Kinder sehr traurig sein, da sie nichts bekommen, weil ich es ohne Pferde nicht zu ihnen schaffe. Oh ist das schrecklich“ jammerte er und raufte sich seinen Bart. So eine lange Kälte habe ich noch nie erlebt. Hmhh wieso treibt ihr euch hier bei dem Wetter herum? Ich dachte Schellenten können sich in Baumhöhlen zurückziehen? Büffel beschloss dem roten Mann zu vertrauen und schwamm näher heran und sagte „Ja, wir hatten eine schöne Höhle, nur leider ist sie beim letzten großen Sturm zerstört worden. Wir wissen noch gar nicht wo wir im kommenden Frühjahr brüten können. Baumhöhlen, in die wir passen, gibt es leider nicht so häufig“ sagte Büffel traurig. Braunfeder räusperte sich. „Unser Problem wird sich schon irgendwie lösen lassen, und notfalls müssen wir  sonst weiterziehen und unser Zuhause hier verlassen. Aber ich glaube ich habe eine Idee, wie wir vielleicht dir helfen können. Wenn du möchtest können wir für dich läuten bzw. schellen. Schließlich heißen wir ja nicht umsonst Schellenten. Sie schwang sich kurz in die Luft und schellte leise indem sie die Flügel schlug. Die Pferde begannen sofort zu blinzeln und der rote Mann schmunzelte erst und dann klatschte er sogar in seine großen Hände und lachte. „Ja, so könnte es gehen rief er. Würdet ihr mir helfen und diese Nacht mit mir fliegen?“ Büffel antwortete verwundert. Wie du kannst fliegen? Der Nikolaus gluckste „Na, was meinst du denn, wie wir auf eine Insel gekommen sind?“ Büffel und Braunfeder blickten sich kurz an und nickten. Büffel sprach „Ein bisschen Abenteuer und Bewegung tut jetzt ganz gut, um wieder richtig warm zu werden“ und schwang seine Flügel mit einem deutlichem Schellen. Die Pferde erwachten ganz und schnaubten. Sie schüttelten sich, scharrten ungeduldig mit den Hufen  und wollten weiter. Und so schwebte der Schlitten mit dem Nikolaus in Begleitung von Büffel und Braunfeder in die Nacht.

Am nächsten Morgen wachten Büffel und Braunfeder eng aneinander gekuschelt auf ihrer Insel auf. Sie blickten sich an und beide hatten den gleichen Gedanken: „Haben wir das alles nur geträumt?“ Gibt es den Nikolaus wirklich?“ Sie erzählten sich beide ihren Traum. Etwas Enttäuschung stieg in ihnen auf, da es sehr unwahrscheinlich war, dass Sie das erlebt haben konnten. Auch wenn es merkwürdig war, dass sie beide das gleiche geträumt hatten… Braunfeder seufzte und blickte gen Himmel, hoffnungsvoll, dass der Schlitten wieder auftauchen könnte. Plötzlich hielt sie inne als ihr Blick eine alte Buche in der Nähe traf. Dort hing ein funkelnagelneuer Höhlennistkasten. „Komisch, wie kommt der denn über Nacht hierher?“ sagte Büffel erfreut, der ihrem Blick gefolgt war.  Und Braunfeder fügte glücklich hinzu “Und dann noch in einer roten Farbe! Hast du schon mal so etwas gesehen?“

Ende….

© Sonja Fuhrmann

 

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Foto: VDN/Friedrich J. Flint

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