Stubensandstein – Holz – Stahl

Baukultur im ländlichen Raum bildet meist das ab, was den Menschen zum Bau ihrer Gebäude zur Verfügung steht und was sich daraus entwickeln lässt.

Für das Gebiet des heutigen Naturparks Schönbuch war dies vor allem Sandstein und Holz. Die meisten Kirchen, Schlösser und Brunnen der Region sind zumindest teilweise aus den im Schönbuch über Jahrhunderte hinweg abgebauten Stubensandstein. Als im 16. Jahrhundert Herzog Christoph von Württemberg eine neue Bauordnung erließ, bekamen auch die Wohnhäuser einen steinernen Sockel. Dies sollte der „Erspahrung des Holtzes auch Feuersgefahr zu verhüten und Langwürigkeit zu erhalten“ dienen. Zahlreiche historische Gebäude der Region zeichnen sich durch diese Bauweise aus: der Sockelbereich aus Schönbucher Sandstein trägt die Balken aus Schönbucher Holz. Stellvertretend für den Baustil und die Baustoffe seien die Obere Klostermühle und die daneben stehende Pistorei in Bebenhausen genannt (siehe Bild 1+2). Der Bebenhäuser Hans Haug (siehe Rubrik Prominent) beschreibt das Gebäudeensembel in seinem Buch „Im Schatten des Kosters“ mit folgenden Worten:

Die idyllisch an dem Ende des 13. Jahrhunderts angelegten Mühlkanal gelegene Obere Klostermühle mit alemannischem Fachwerk, das spätere Veränderungen erfuhr, stammt aus dem 15. Jahrhundert, ruht jedoch auf einem älteren, massiven Unterbau und hatte ursprünglich drei oberschlächtige Wasserräder. Die angebaute Pistorei (Bäckerei) ist ein Massivbau aus dem 13. Jahrhundert mit schmalen gotischen Fenstern.

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Bild 1: historische Aufnahme Obere Klostermühle © RP Tübingen, Abteilung Denkmalpflege

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Bild 2: historische Aufnahme Pistorei © RP Tübingen, Abteilung Denkmalpflege

 

In Bebenhausen lässt sich dieser Baustil an fast allen historischen Gebäuden belegen (siehe Bild 3, heutige Ansicht der ehemaligen Klosterschmiede in Bebenhausen), aber auch der Herrenberger Marktplatz, das Rathaus in Waldenbuch, das Schönbuchmuseeum in Dettenhausen und weitere zahlreiche Gebäude in den 18 Naturparkgemeinden sind eine Kombination aus Schönbucher Sandstein und alemannischem Fachwerk.

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Bild 3: Klosterschmiede © Hans Haug

Die Sandsteinbrüche im Schönbuch sind heutzutage geschlossen, es besteht nur noch für einen eine Ausnahmeregelung zum Abbau des Steins. Dieser wird ausschließlich für Reparaturarbeiten am Ulmer Münster verwendet.

Genutzt werden aber nach wie vor die Holzvorräte im Schönbuch. So konnte der in modernster Architektur konstruierte Schönbuchturm auf dem Stellberg bei Herrenberg mit Lärchenholz aus dem Naturpark gebaut werden. Das Tragwerk ist im Gegensatz zur historischen Bauweise nicht mehr aus einzelnen massiven Stämmen sondern aus Brettschichtholz gefertigt. Die moderne Architektur bedient sich gerne neuer Techniken, die sich aus dem ältesten Baustoff der Menschheit, dem Holz, entwickelt haben. Und dennoch ist das Grundprinzip gleich: Ein massiver Sockel, im Fall des Aussichtturms aus Stahl, und das Tragwerk aus Holz. Werden die alten Fachwerkhäuser gepflegt, Schadstellen schnell ausgebessert damit die Witterung nur wenig Einfluss erlangt, überdauern sie Jahrhunderte und sind heute Beispiele überragender Zimmermannskunst. Die moderne Architektur plant den Ausgleich der Schwachstellen gleich mit. So beschreibt der Text auf der Internetseite des mit der Planung des Aussichtturms beauftragten Architekturbüros: …Das für die Masten verwendete Brettschichtholz stammt von Lärchen aus dem Schönbuch. Zusätzlich zum konstruktiven Holzschutz durch entsprechende Detaillierung im Bereich des Hirnholzes und der Treppenanschlüsse sind die Stützen vergleichsweise einfach auswechselbar, um aufwändige und kostenintensive Instandhaltungsmaßnahmen zu vermeiden. Die Mastelemente zwischen zwei Plattformen können mit Hilfe von Pressen entlastet und ohne eine weitere Turmsicherung ausgewechselt werden…“

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Schönbuchturm © Erich Tomschi

Ob historisches Fachwerk oder moderne Hightech-Architektur – Bauwerke umgeben die Menschen überall und prägen ihren Raum, sie erzählen Geschichten und machen Geschichte. Sie sind von Menschen für Menschen geschaffen und verleihen jeder Landschaft den ihr ganz eigenen Stil.

Ein Beitrag von Naturpark Schönbuch

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