Waldbaden im Schönbuch

Waldbaden liegt gerade voll im Trend. Wir haben mit Mathias Allgäuer, Geschäftsführer des Naturparks Schönbuch über das Waldbaden im Schönbuch gesprochen:

Was macht Waldbaden eigentlich aus? Wann spricht man von Waldbaden und wann vom normalen Waldspaziergang?
Herr Allgäuer: Im Grunde geht es beim Waldbaden darum, nicht einfach „nur“ durch den Wald zu laufen, sondern die Natur um sich herum intensiv wahrzunehmen. Das entscheidende ist, sich auf den Wald und seine vielfältigen Facetten einzulassen. Die frische Waldluft mit den ätherischen Ölen der Bäume stärken das Herz-Kreislauf-System und wirken präventiv gegen psychische Belastungen. Zudem wirkt die grüne Farbe der Blätter natürlich beruhigend. 

Und wie kann ich das am besten tun? Also gibt es da sozusagen eine „Anleitung zum Waldbaden“?
Herr Allgäuer: Es gibt keine klare Vorgangsbeschreibung. Natürlich sollten die Sinne bewusst aktiviert werden, um den Wald achtsamer wahrzunehmen. Einem Jogger würde ich beispielsweise empfehlen ohne Kopfhörer zu laufen und die Stille und das Vogelgezwitscher oder Bachrauschen auf sich wirken zu lassen. Andere lassen sich besser auf die Natur ein, wenn Sie etwas haptisch „kennen lernen“. Also zum Beispiel das Abtasten einer Baumrinde oder Barfuß-Gehen im Moos.
Wer aber gerne etwas Anleitung möchte, für den gibt es auch hier im Naturpark einige Veranstaltungen zum Thema Waldbaden. Für einen Perspektivwechsel oder auch für Menschen, die nur selten im Wald unterwegs sind kann das sehr hilfreich sein. Bei Interesse findet man diverse Kurse und Termine im aktuellen Veranstaltungskalender des Naturparks Schönbuch. Hier kann man sich auch sicher sein, dass die Angebote auf ihre Naturverträglichkeit geprüft wurden.

Wie meinen Sie das mit der Naturverträglichkeit? Kann man nicht überall im Wald Waldbaden?
Herr Allgäuer: Grundsätzlich schon. Jeder darf sich frei im Wald bewegen, auch abseits der Wege. Jedoch sollte man immer bedenken, dass der Wald auch Lebensraum von Pflanzen und Tieren ist, die Ruhe und Rückzugsräume brauchen. 

Tut es Ihnen als Förster manchmal in der Seele weh, wenn im Wald so viel los ist? Gerade jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie wurden lokale Erholungsgebiete ja viel stärker genutzt.
Herr Allgäuer: Nein, im Gegenteil. Der Wald profitiert meines Erachtens von der erhöhten Aufmerksamkeit. Die Menschen interessieren sich wieder mehr für ihn und seine Funktionen. Das kommt der Natur zugute, denn das, was Menschen kennen und für schön empfinden, wollen sie schlussendlich auch schützen. Damit das erhöhte Besucheraufkommen nicht zum Problem wird, ist es jedoch wichtig, dass jeder respektvoll mit der Natur und seinen Mitmenschen umgeht. 

Ist Waldbaden eigentlich etwas komplett Neues oder gibt es da historische Vorbilder? Vielleicht sogar im Schönbuch?
Herr Allgäuer: Den Deutschen war Ihr Wald schon immer wichtig, ja fast heilig. In der Romantik wurde er bereits Anfang des 19. Jahrhunderts als Sehnsuchtslandschaft beschrieben. Auch die in Deutschland zahlreich vorhandenen Wander- und Naturschutzvereine sehen den Wald noch immer als wichtigstes Element unserer Kulturlandschaft. Bis zur Einführung der Stallhaltung des Viehs, Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Wald extrem frequentiert. Ein Großteil der damaligen Berufe griff zudem fast unbegrenzt auf den Wald und seine Rohstoffe zu. In dieser Zeit stand eher die Nutzfunktion als der Wellnessgedanke im Vordergrund. Ein historisches Beispiel einer Art „Waldbadens“ gibt es im Schönbuch aber tatsächlich. Nur ein bis zwei Kilometer entfernt von Bebenhausen befindet sich der Olgahain. An diesem nach Südosten ausgerichteten Hang hat die Natur eine wildromantische Atmosphäre geschaffen, die der württembergische König Karl seiner Gemahlin Olga widmete. Die malerische Kulisse mit Mulden, Moosen und Farnen wurde schnell zum bevorzugten Wohlfühlort der Königin.

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© Erich Tomschi

Ein Beitrag von Naturpark Schönbuch

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