Dr. Andreas Megerle

Dr. Andreas Megerle ist promovierter Geograph, Landschaftsexperte und naturbegeisterter „Neu“-Schwarzwälder. Seit vielen Jahren berät und unterstützt der 58-Jährige den Naturpark bei seiner Arbeit. Gemeinsam sind zahlreiche spannende Projekte entstanden – so wie die GeoTouren, die Wanderer auf eine geologische Zeitreise führen. Mindestens fünf neue Touren werden Mitte September offiziell eingeweiht. Wo sich diese befinden und was große und kleine Wanderer dabei erwartet, erfahren Sie im Interview.

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Dr. Andreas Megerle. Fotos: pr

Frage: Herr Dr. Megerle, Hand aufs Herz – können Sie im Schwarzwald wandern, ohne einen interessanten Stein aufzuheben, zu begutachten und geologisch einzuordnen?

Dr. Andreas Megerle (lacht): Ja, das kann ich tatsächlich. Denn so interessant Steine sein können, so interessant sind auch die vielen anderen Naturpark-Schätze, von den großen und ruhigen, zur Meditation anregenden Waldgebieten bis hin zu den vielen Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt. Als gebürtiger Oberschwabe faszinieren mich besonders die vielen Moore.

Frage: Fünf neue GeoTouren gibt es seit Kurzem im Naturpark. Wo befinden sich diese geologischen Wanderungen und was zeichnet sie aus?

Megerle: Die neuen Touren sind Teil des Geo-Entdeckersets Mittlerer Schwarzwald und befinden sich in den Gemeinden Oberwolfach, Wolfach, Hausach, Haslach und Gengenbach. Wir hoffen, dass wir zeitnah auch die GeoTour Offenburg fertigstellen können. Keine GeoTour gleicht der anderen. Wie Mosaikbausteine ergeben sie zusammen ein spannendes Bild, wie es im Untergrund des Mittleren Schwarzwalds aussieht. Und welche Bedeutung das für uns hat. Warum gibt es an manchen Stellen wertvolle Mineralien wie Silber? Und an anderen Stellen nicht? Warum gibt es Felsen nur an bestimmten Stellen? Warum trocknen manche Quellen aus, manche nicht? Gerade in Zeiten einer rasanten Klimaänderung gilt es, auch diesen Teil der Umwelt besser wahrzunehmen und in unsere Überlegungen mit einzubeziehen. Übrigens: Auch im Nordschwarzwald wird es bald neue GeoTouren geben: Im Nagold- und im Albtal.

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Felsbrocken und Steine erzählen viel über den Untergrund des Schwarzwalds.

Frage: Was unterscheidet den mittleren vom nördlichen Schwarzwald – geologisch gesehen?

Megerle: Es gibt Gemeinsames wie die Gesteine des Buntsandsteins mit ihren Waldgebieten. Dann aber auch viele Unterschiede. Beispielsweise finden sich im Mittleren Schwarzwald großflächig basenreichere Gneis- und Granitvorkommen. Die führen zur Entstehung eines ganz anderen Reliefs. Vor allem aber konnten sie zumindest früher auch landwirtschaftlich genutzt werden. Das ist der Hauptgrund dafür, dass wir im Mittleren Schwarzwald Rodungs- und Siedlungsflächen an den Hängen finden, oft bis hinauf zu den Gipfeln. Dazu kommt die große Bedeutung des Bergbaus, der im Mittleren Schwarzwald bis heute „umgeht“. Aus der Grube Clara in Oberwolfach werden bis heute Schwerspat, Flussspat und Silber gefördert. Das alles ist im Nordschwarzwald so kaum oder gar nicht zu finden.

Frage: Wo finden Wanderer spannende Steine und was erzählen diese über den Schwarzwald und seine Geschichte?

Megerle: Fast überall. Im Albtal kann man an manchen Stellen direkt am Wegrand oft schöne rote Karneole finden. Sie entstanden aus Millionen Jahre alten Wüstenböden und wurden früher zu Schmucksteinen geschliffen! Im Lierbachtal erzählen noch ältere Vulkangesteine von ähnlichen Ausbrüchen, wie sie sehr viel später dann Pompeii und Herculaneum ausgelöscht haben. Nur gut, dass vor 290 Millionen Jahren hier im Schwarzwald noch keine Menschen gelebt haben. Heute haben sich in manchen Lavablasen Achate gebildet, die ebenfalls früher ein geschätzter Rohstoff für die Schwarzwälder Edelsteinschleifer waren. Der Schwarzwald liefert auch Schotter für die Bahnstrecken der Deutschen Bahn. Dazu eignen sich harte, feinkörnige Granite, vulkanische Gesteine und manche Gneise, wie sie im Kinzigtal abgebaut werden.
Übrigens: Die GeoKompakt-Hintergrundbroschüren der beiden Geo-Entdeckersets erzählen solche und noch viele andere spannende „Stein-Geschichten“.

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Die GeoBox enthält neun unterschiedliche Gesteinsarten, die typisch für die Region sind. Foto: Denker/Naturpark

Frage: Mit dem Naturpark arbeiten Sie seit Jahren bei vielen Projekten erfolgreich zusammen, unter anderem bei der Aus- und Fortbildung neuer Schwarzwald-Guides. Warum ist es so wichtig, engagierte Natur- und Landschaftsführer auf der Fläche zu haben?

Megerle: Wir wollen Menschen für den Schwarzwald begeistern, egal ob Einheimische oder Touristen. Wir kennen das von guten Lehrern, die einige von uns gehabt haben: Die wirkungsvollste Art zu begeistern ist es, wenn ein Funke überspringt. Und das gelingt noch immer am besten über persönliche Begegnungen zwischen Menschen, begleitet vom Duft der Schwarzwaldbäume draußen. Daneben sind Schwarzwald-Guides Botschafter der Region und tragen zum Erhalt und zum Transfer von Wissen bei. Ein Beispiel: Die heilenden Wirkungen von Schwarzwaldkräutern. Oftmals ist das Wissen, welches in keinem Buch zu finden ist, geschweige denn im Internet. Immer wieder erlebe ich, dass Schwarzwald-Guides über Meditationen oder „Waldbaden“ vielen durch ihren stressigen Alltag angeschlagenen Schwarzwaldbesuchern konkrete Hilfen geben konnten.

Frage: Verraten Sie uns Ihren Lieblingsfelsen im Naturpark, wo Sie nach einer langen Wanderung entspannen?

Megerle: Oh, da gibt es nicht nur einen. Zur Zeit fahre ich oft an den Falkensteinfelsen in Bad Herrenalb vorbei. Und jedes Mal bin ich fasziniert von diesem Massiv. Einst als Abtragungsschutt eines längst verschwundenen Hochgebirges abgelagert, wurde es hochgehoben und durch quarzhaltiges Wasser so stark verkieselt, dass es bis heute der Abtragung widerstehen konnte. Ein Paradies für Kletterer und Wanderfalken! Aber auch die Felsen des Battert oder die vielen grandiosen Granitfelsen im Murgtal sind unbeschreiblich!

Ein Beitrag von Naturpark Schwarzwald Mitte/ Nord

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