Prof. Dr. Daniel Kray

 Prof. Dr. Daniel Kray

Prof. Dr. Daniel Kray forscht und lehrt an der Hochschule Offenburg. Foto: Christoph Düpper (http://www.christophduepper.com/)

Prof. Dr. Daniel Kray forscht und lehrt an der Hochschule Offenburg zu den Themen Erneuerbare Energien, Photovoltaik und Pflanzenkohle in der Energie- und Umweltverfahrenstechnik. Er setzt sich für eine klima- und artenfreundliche Landwirtschaft ein. Warum er den Begriff Klimawandel unpassend findet, erklärt er im Interview.

Herr Professor Kray, in den vergangenen Jahren häufen sich extreme Wetterereignisse, jüngst den starken Wintereinbruch durch den stockenden Polarwirbel. Viele sprechen vom Klimawandel, Sie nutzen lieber den Begriff Klimakrise. Warum?

Prof. Dr. Daniel Kray: Die Endung „Wandel“ verbinden wir meist mit gemächlich ablaufenden Veränderungen. Tatsächlich befinden wir uns aber in einer globalen Krise, die mit großer Geschwindigkeit täglich ernster wird. Exponentielle Entwicklungen haben wir in der Corona-Krise ja nun alle zur Genüge kennengelernt. So ist es auch in der Klimakrise. Dieses Jahrzehnt ist nun das alles entscheidende – die letzte Chance, unsere Lebensgrundlagen durch beherzte Taten zu retten. Dafür setze ich mich ein.

An der Hochschule Offenburg haben Sie unter anderem das Projekt „FYI:Landwirtschaft 5.0“ gestartet. Worum geht es da?

Kray: Um die Klimakrise zu lösen, müssen die Treibhausgasemissionen schnell auf Null zurückgehen. Das ist im Strombereich recht einfach, im Verkehr und in der Wärmeversorgung schwieriger. Aber selbst wenn 100 Prozent der Energie in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr aus erneuerbaren Energien kommen, bleiben zirka 20 Prozent der Emissionen übrig. Sie kommen aus der Landwirtschaft und den Böden. Hier brauchen wir andere Methoden, um die Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig aktiv CO2 aus der Luft zu entziehen. Dies ist nötig, da die Emissionen faktisch nicht ganz auf Null reduziert werden können und schon zu viele Treibhausgase in der Atmosphäre gelandet sind. Hier kommen mit nachhaltiger Waldwirtschaft, Humusaufbau und der Pflanzenkohle landwirtschaftliche Aspekte ins Spiel. Der Gedanke, diese mit Solarstrom (meinem Haupt-Forschungsgebiet) zu kombinieren, hat mich sofort fasziniert. Da zudem das Artensterben die größte menschliche Herausforderung darstellt, lag es nahe, ein Modell für eine enkeltaugliche Landwirtschaft zu entwerfen. Dieses kombiniert die fünf Hauptelemente Blühstreifen, Agroforst, Agri-PV, Elektromobilität und Pflanzenkohle zu einem tragfähigen Ansatz. So können Landwirt*innen mit ihren riesigen Flächen maximal zur Lösung der großen Probleme der Menschheit beitragen und dabei im Idealfall auch angemessen entlohnt werden. Inzwischen ist die Idee zu einer Denkfabrik mit über 45 Partner*innen aus Praxis, Industrie und Forschung angewachsen und wir sind auf der Suche nach Fördermitteln.

Das Herz dieses Projekts ist die Pflanzenkohle. Was ist ihr Vorteil?

Kray: Die Pflanzenkohle ist ein spannender Baustein des Projektes. Sie bringt eine alte Kulturtechnik (die Anwendung von Holzkohle in der
Landwirtschaft war um 1850 zum Beispiel in den USA gang und gäbe) in die Gegenwart. Schadstoffkontrolliert (nach dem European Biochar Certificate EBC) und nachhaltig in Pyrolyseanlagen hergestellt, hat sie eine Reihe interessanter Eigenschaften. Sie kann Nährstoffe zwischenspeichern, den pH-Wert des Bodens anpassen, Wasser speichern und nicht zuletzt den Kohlenstoff aus dem CO2 der Luft dauerhaft im Boden speichern. Eine gute Übersicht über den aktuellen Forschungsstand gibt das Whitepaper des European Biochar Industry Consortium (EBI): www.biochar-industry.com/why

Lassen sich die Ziele des Pariser Klimaabkommens – eine Begrenzung der globalen Erderwärmung auf 1,5 Grad – überhaupt noch erreichen?

Kray: Natürlich. Durch beherztes Handeln. Sonntagsreden gab es jedoch genug. Nun mögen die, die sagen, es sei nicht möglich, bitte denen nicht im Weg stehen, die es gerade tun.

Das bedeutet, dass auch im Privaten ein Umdenken stattfinden muss. In welchen Bereichen?

Kray: Ich spreche gerne an der Stelle von ‘Klimaverantwortung übernehmen’. Das bedeutet ganz einfach, dass jede*r im Privaten und im Beruflichen alles tun muss, was in ihrer*seiner Macht steht, um der Klimakrise entgegenzuwirken. Eine Bereichsleiterin in einem großen Konzern kann da natürlich mehr bewirken als ein Kassierer im Supermarkt. Aber beide haben etwas beizutragen: Eben ihre Klimaverantwortung übernehmen. Im Privaten bedeutet das zum Beispiel in jedem Fall, den Verzehr von tierischen Lebensmitteln um mindestens 50 Prozent zu reduzieren. Sonst können wir es nicht mehr schaffen. Das heißt, nur noch jedes zweite Schnitzel, jedes zweite Stück Käse und jeden zweiten Joghurt zu genießen und diese Produkte am besten beim Hof um die Ecke statt beim Discounter einzukaufen. Das macht einen großen Unterschied. Und das nimmt uns niemand ab.

In welchem Bereich schränken Sie sich am ehesten privat ein – Reisen, Verkehr, Konsum?

In allen Bereichen. Flugzeuge besteige ich nicht mehr, Reisen vor allem mit der Bahn, lokal mit dem Fahrrad und zu Fuß. Wenn es nicht anders geht, mit dem vollelektrischen Kleinwagen. Meine Ernährung ist 95 Prozent vegan, ab und an darf es aber auch mal vegetarisch sein.

Der Naturpark will künftig umfassend über das Thema Klima aufklären – mit einem monatlichen Klimatipp. Was geben Sie uns mit auf den Weg?

Es ist vor allem entscheidend, den Menschen positive Lösungen zu zeigen. Immer wieder Beispiele, wo Menschen etwas erreicht haben, wo etwas geklappt hat. „Hey, das möchte ich auch probieren!“ ist eine bessere Motivation als Untergangsszenarien. Der Naturpark hat ja nun alles an wunderschöner Natur zu bieten, was man sich in der Region wünschen kann. Da können Sie aus dem Vollen schöpfen!

Ein Beitrag von Naturpark Schwarzwald Mitte/ Nord

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