Stefan Kumm

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“Es ist toll, bei den Bienen zu sein”, findet Imkermeister Stefan Kumm. Foto: Cum Natura GmbH

Schätzungsweise 20 Millionen Bienen arbeiten für Stefan Kumm und sein Unternehmen Cum Natura GmbH aus Bühl – verteilt auf rund 200 Bienenvölker. Seit 2017 liefert die Honigmanufaktur den Naturpark-Honig „Blühender Naturpark“, der stellvertretend für die kulinarische Vielfalt der Region steht. Doch Honig allein ist für Stefan Kumm nicht das wichtigste Produkt der fleißigen Arbeiterinnen. Warum, erklärt er im Naturpark-Interview.

Herr Kumm, wünschen Sie sich manchmal in die Rolle ihrer Bienen schlüpfen und die Welt durch ihre Augen sehen zu können?

Stefan Kumm: Ehrlich gesagt habe ich mir die Frage so noch nie gestellt. Aber wenn ich an das massenhaften Bienensterben im Oberrheingraben im Jahr 2008 zurückdenke, das nicht nur die Honigbienen, sondern auch Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten betraf, so ergibt sich für mich – auch heute vor dem Hintergrund des aktuellen Insektensterbens – aus Sicht der Bienen ein eher düsteres Bild. Wenn ich mich sensibilisiere, wie eine Biene ihre Umwelt wahrnimmt, sind es eigentlich eher unangenehme Gedanken, die mich da verfolgen. Insofern habe ich mir noch nie gewünscht, die Welt durch die Brille meiner Bienen zu sehen. Die Honigbiene kann ohne Imker nicht überleben. Das ist eine hohe Verantwortung. Insofern suche ich den klaren Fokus durch die Imkerbrille auf die Bienen. Ein Perspektivenwechsel fällt mir echt schwer. Aber vielleicht sollte ich mir das angewöhnen, um noch mehr artgerecht und im Sinne des Tierwohls zu handeln.

Sie haben rund 200 Bienenvölker, um die Sie sich das ganze Jahr kümmern. Was machen die Bienen – jetzt Ende Februar – gerade?

Kumm: Die Biene sammelt den Sommer über Vorräte, die sie im Winter aufzehrt. Im Februar könnten sie verbraucht sein, besonders wenn ein warmer Winter herrscht wie in diesem Jahr. Denn der stresst die Bienen, weil sie dann zu früh mit der Brut beginnen, öfter ausfliegen, um ihre Kotblase zu leeren – und das kostet sehr viel Energie. Dann muss der Imker die Bienen versorgen, und zwar nicht mit Zuckerwasser, sondern mit fertigem, eingelagertem Honig. Ein guter Imker muss davon immer genug in Reserve haben.

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Blühende Kirschbäume. Foto: pr

Was ist denn für einen Imker die arbeitsreichste Zeit?

Kumm: Von Ende April bis Anfang Juni. Anfangs beginnt die Schwarmzeit und der Vermehrungstrieb der Bienen erwacht. Wir Imker versuchen, diesen Schwarmtrieb zu verhindern, denn wenn das Volk weg ist, bleibt es in aller Regel verschwunden und wir können damit keinen Honig mehr erwirtschaften. Deshalb brechen wir überzählige Brutzellen von Jungköniginnen ab, sorgen dafür, dass nur eine schlüpft und begattet wird und die alte Königin im Stock bleibt. Denn sowohl unbegattete Jungköniginnen als auch die alte Königin wollen ausschwärmen. Gleichzeitig ist dies die Zeit, in der wir unseren Bienenbestand gezielt vermehren. Und auch die erste Honigernte steht in diesem Zeitraum schon an. All das ist sehr zeit- und arbeitsintensiv.

Sie produzieren nicht nur Honig, sondern insgesamt 50 ganz unterschiedliche Produkte. Worum handelt es sich genau?

Kumm: Honig ist natürlich das wichtigste Thema, seine landwirtschaftliche Erzeugung ist meine Leidenschaft. Aber die Biene erzeugt auch Propolis, Gelee Royale, Blütenpollen und Wachs. Wir haben den Anspruch, auch diese Produkte in unterschiedlichen Formen anzubieten, denn das Geschäft mit dem Honig unterliegt starken Schwankungen. Propolis ist nach Honig unser wichtigstes Produkt, ein Harz, das die Biene sammelt, fermentiert und damit ihren Stock vor Bakterien, Viren und Pilzen schützt. Daraus erzeugen wir gesundheitsfördernde Tinkturen und Lösungen und verarbeiten es in unseren Kosmetikprodukten. Blütenpollen dienen zur Nahrungsergänzung bei Mangelerscheinungen oder Fehlernährung. Bienenwachs ist ebenfalls in der Kosmetik wichtig, um die Haut zu schützen. Und natürlich für Kerzen.

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Bienen erzeugen nicht nur Honig, sondern auch Propolis, Gelee Royale, Blütenpollen und Wachs. Foto: pr

Für den Naturpark haben Sie den Naturpark-Honig kreiert. Was zeichnet ihn aus?

Kumm: Der Naturpark-Honig kommt vor allem hier aus der Ortenau, aus der Vorgebirgszone. Er enthält vor allem den Honig von Löwenzahn, Obst- und Wildblüten. Sein feinzarter Geschmack und seine cremige Konsistenz zeichnen ihn aus. Er ist nicht so dominierend wie ein Spätsommerhonig, hat trotzdem ein schönes Aroma. Da wir mit unseren Völkern aber auch immer höher in den Schwarzwald ziehen, kann man sagen: Der Honig vereint den Geschmack des ganzen Naturparks in sich.

Warum sollte man bei dem Kauf von Honig unbedingt auf die Herkunft achten?

Kumm: Natürlich ist es immer am besten, Produkte aus der eigenen Region zu kaufen. Ein heimischer Honig kommt vom heimischen Imker und heimische Bienen haben ihn durch die Bestäubung unserer Kultur- und Wildpflanzen und ihre Sammeltätigkeit hier erzeugt. Das zu unterstützen und damit unsere Kultur- und Naturlandschaft zu erhalten ist einer der Grundgedanken von uns Imkern. Unser Honig wird streng kontrolliert und ist frei von jedweden Zusatzstoffen. Wir selbst erzeugen unseren Honig nach Bioland-Richtlinien.

Wenn Sie im Naturpark zu Ihren Bienenstöcken unterwegs sind, was gefällt Ihnen dann am besten?

Kumm: Wenn die Bienen in der Vorgebirgszone zwischen den blühenden Obstbäumen stehen, spüre ich: Da blüht es auf den Bäumen und Wiesen, die Natur ist erwacht, der Löwenzahn legt los – dann ist es toll, bei den Bienen zu sein. Aber es gibt noch eine zweite Sache: Im Sommer, wenn es hier in Bühl drückend heiß sein kann, die Bienen aber im Wald stehen. Da weht ein leichtes Lüftchen, es ist schattig, die Vögel zwitschern – auch da ist es für mich eine Freude, nach den Bienen zu sehen.

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Der Naturpark-Honig kommt vor allem aus der Ortenau und enthält Honig von Löwenzahn, Obst- und Wildblüten. Foto: pr

Cum Natura GmbH

Am Froschbächle 17
77815 Bühl

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