Ein „eBeetle“ soll die besten Spessartwiesen vermehren

Seit mehreren Wochen besitzt der Naturpark Spessart e.V. einen Samenernter „eBeetle“. Die Anschaffung erfolgte im Rahmen eines mehrjährigen Naturschutz-Projekts mit Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds und den WWF Deutschland. Nun werden damit besonders wertvolle Spessartwiesen, das heißt: Wiesen mit hohem Arten-/Blütenreichtum oder seltenen Pflanzenvorkommen beerntet. Ziel ist es, mit diesen Samen neue wertvolle Wiesen anzulegen, verarmte  Wiesen aufzuwerten und seltene Pflanzen zu fördern. Botanische Begleituntersuchungen dokumentieren den Erfolg der Maßnahmen. Der rund 25.000 € teure eBeetle ist ein Schweizer Elektrofahrzeug, das die reifen Samen aus den Wiesen bürstet, ohne dabei den Aufwuchs zu mähen. Für Landwirte ist somit eine Heu- oder Weidenutzung nach der Samenernte möglich.

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Samenernte mit dem e-beetle

100 % heimische Wildpflanzen

„Wir ernten damit autochthones Saatgut“, erläutert Christian Salomon (Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart). Es besteht zu 100 % aus heimischen Wildpflanzen, die genetisch an die regionalen bis lokalen Bedingen angepasst sind. Viele Wildinsekten brauchen genau solche Wildpflanzen, etwa als Raupenfutter oder Nektarquellen. Bunte Blühflächen mit großblütigen Kulturformen oder nicht-heimischen Arten, wie sie derzeit vielerorts an Verkehrswegen angelegt werden und für das menschliche Auge toll aussehen, nützen zwar Ubiquisten wie der Honigbiene, sind aber für hochspezialisierte Schmetterlinge, Wildbienen & Co ungeeignet. Im schlimmsten Fall fürchten Fachleute sogar eine negative Veränderung der heimischen Flora durch die Einbringung neuer Pflanzenarten oder –züchtungen. Die individuellen Eigenschaften der Spessartwiesen könnten so verloren gehen.

Zahlreiche Maßnahmen geplant

In den letzten vier Wochen haben Naturpark-Ranger bereits in allen drei Spessart-Landkreisen wertvolle Wiesen beerntet. Das Saatgut wird zunächst getrocknet und eingelagert. Erste Aussaaten sollen im Herbst stattfinden. Allerdings werden dafür in der Regel keine bestehenden Wiesen umgebrochen. Stattdessen will man auf entbuschten Bracheflächen, Äckern oder „entrümpelten“ Grundstücken wieder Grünland herstellen. Auch zur Nachsaat von Schwarzwild-Schadensflächen kann das Saatgut künftig genutzt werden – anstelle von gebietsfremden Grassamen. Im Einzelfall sollen stark verarmte Wiesen wieder mehr Blütenreichtum erhalten, und schließlich sollen seltene Pflanzenarten wie Kugelige Teufelskralle, Arnika und Heidewicke gezielt vermehrt werden. Der Naturpark habe neben eigenen Initiativen bereits zahlreiche konkrete Anfragen erhalten, sagt der Gebietsbetreuer. Sie kämen von Gemeinden, Landwirten, Privateigentümern und Forstbetrieben bis zum Solarparkbetreiber.

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Gebietsbetreuer Salomon (r.), Naturpark-Ranger Gries (l.) und ein interessierter Landwirt bei der Begutachtung der Samen-Ernte

 

Blühflächen sind keine Universallösung

Nach Salomons Einschätzung muss man mehr Geduld mitbringen als bei klassischen Blühäckern. „Eine gute Wiese kann man nur über Jahre entwickeln“, so der Vegetationskundler. Beispielsweise bräuchten viele Wildpflanzen Jahre bis zur ersten Blüte und es müsse sich erst ein Gleichgewicht einstellen. Viele Arten, die für Wildinsekten wertvoll sind, bleiben zudem klein und unauffällig. Entscheidend für die biologische Vielfalt im Spessart sei sowieso die Landnutzung. „Wenig düngen, nicht spritzen, kleinräumig mähen und Weidetiere halten“, das sind laut Salomon die Schlüssel für Artenvielfalt in der Kulturlandschaft. Durch Blühflächen alleine könne man diese Faktoren niemals ersetzen, weshalb ein Überdenken der Landnutzung und Flächenpflege immer der erste Schritt vor Ansaaten sein sollte.

 

Ein Beitrag von Naturpark Spessart

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