Nationalpark im Spessart?

Naturparke Neuigkeiten am 16. September 2016

Die Pressemeldung des Staatsministeriums für Umwelt Anfang August hatte eingeschlagen wie eine Bombe. Ministerin Ulrike Scharf verkündete nach einer Kabinettssitzung, dass in Bayern ein dritter Nationalpark gegründet werden soll. Konkrete Suchräume nannte die Ministerin nicht, doch gehen Fachleute davon aus, dass vor allem Laubwaldgebiete mit hohem Anteil an Staatsforstflächen in Frage kommen. Als mögliche “Kandidaten” werden vor allem die Rhön, der Spessart und das Ammergebirge gehandelt. Vielfach für Unmut sorgt, dass der Steigerwald vom Ministerium ausdrücklich als Standort  ausgeschlossen wird.

In einem Schreiben des Ministeriums werden auf der Basis der gesetzlichen Voraussetzungen  folgende Kriterien für die Errichtung eines Nationalparks genannt:

  • Fläche: Die Mindestfläche für einen Nationalpark beträgt 10.000 Hektar. Es muss sich um ein großräumiges, weitgehend unzerschnittenes Gebiet von besonderer Eigenart handeln.
  • Naturschutzfachliche Eignung: Der überwiegende Teil dieses Gebiets muss die Voraussetzungen für ein Naturschutzgebiet erfüllen.
  • Prozesschutz: Zudem muss sich der überwiegende Teil des Gebiets in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden oder geeignet sein, sich in einen Zustand zu entwickeln, der einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet („Prozessschutz“). Für eine internationale Anerkennung muss ein Nationalpark die IUCN-Kriterien erfüllen, das bedeutet Prozessschutz auf 75 Prozent der Gebietsfläche. Über den Weg eines Entwicklungsnationalparks kann dieses Ziel aber über einen längeren Zeitraum hinweg sukzessive verwirklicht werden.
  • Staatliche Flächen: Für den neuen Nationalpark kommen vorwiegend Flächen in staatlichem Eigentum in Frage.

Unklar ist bisher, wie solch ein möglicher Nationalpark im Spessart aussehen könnte. Sicherlich dürften die vorhandenem Naturwaldreservate und Waldschutzgebiete das Rückgrat darstellen, diese Fläche würde allein jedoch nicht ausreichen.

Obwohl noch wenig Fakten bekannt sind, wird auch im Spessart schon heiß diskutiert und Befürworter und Gegner eines Nationalparks melden sich zu Wort. Wir hoffen, dass das Ministerium bald weitere Infos und Rahmenbedingungen bekannt gibt und rasch das Gespräch mit den betroffenen Regionen und Akteuren sucht, damit Chancen, Risiken und offene Fragen in einem ergebnisoffenen und sachlichen Prozess diskutiert werden können. Grabenkämpfe und polemische Diskussionen wie zuletzt im Steigerwald sind aus unserer Sicht wenig hilfreich. Der Naturpark wird sich daher für eine sachliche Auseindersetzung mit dem Thema einsetzen.

 

NSG Rohrberg im Herbst Nationalpark im Spessart?

Naturschutzgebiet Rohrberg – Teil eines zukünftigen Nationalparks?

Ein Beitrag von Naturpark Spessart

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