Streuobstanbau ist Immaterielles Kulturerbe

Die Kultusministerkonferenz der Bundesländer hat kürzlich die Aufnahme des Streuobstanbaus in Deutschland als Immaterielles Kulturerbe bestätigt.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehen die Streuobstbestände in ganz Europa zurück. Damit schwindet nicht nur ein kultureller Erfahrungsraum für den Menschen, sondern auch ein ökologisch wertvoller Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten. Lebendig gehalten wird der Streuobstanbau durch ehrenamtliches Engagement.

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Historische Streuobstwiese in Menz ©Dr. Mario Schrumpf

Elementarer Bestandteil des Streuobstanbaus in Deutschland ist die Biodiversität. Streuobstwiesen sind artenreiche Biotope, die zahlreiche Tier- und Pflanzenarten beherbergen. Sie sind aus einer landwirtschaftlich-kulturellen Entwicklung hervorgegangen und direkt an menschliches Wissen gebunden. Viele Bestände wurden im 20. Jahrhundert gerodet, was zum Verlust größerer Flächen von Streuobstwiesen geführt hat. Heute gefährden weniger Rodungen als das schwindende Wissen, fehlende Fertigkeiten und Wertschätzung, der hohe Arbeits- und Zeitaufwand und die mangelnde Rentabilität den Bestand.

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Äpfel von Streuobstwiesen stehen alljährlich im Oktober im Mittelpunkt des menzer Apfeltages ©Dr. Mario Schrumpf

Im Kern des Streuobstanbaus stehen die arbeits- und zeitintensive Pflege und Bewirtschaftung der Wiesen sowie die Obstverarbeitung. Traditionelle Handwerkstechniken sind dabei fester Bestandteil der Praxis. Der Streuobstanbau umfasst auch verschiedene Bräuche und Rituale wie beispielsweise die Neupflanzung von Bäumen bei Geburten und zahlreiche öffentliche Veranstaltungen wie Streuobst-, Apfelwein-, oder Obstblütenfeste. Für den Erhalt des Streuobstanbaus unabdingbar ist neben dem landwirtschaftlichen Wissen und den dazugehörigen Handwerkstechniken auch das Wissen über tausende gezüchtete Obstsorten und den richtigen Standorten für den Anbau.

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Streuobstwiesen sind nicht nur für Schmetterlinge wichtige Lebensräume in unserer Kulturlandschaft ©Dr. Mario Schrumpf

Unser Naturpark engagiert sich seit vielen Jahren für den Erhalt alter Obstsorten. Im Rahmen des Genressourcenprojektes Streuobst wird der Erhalt und die Neuanlage von Streuobstwiesen gefördert.

Der Menzer Apfeltag widmet sich alljährlich in der 2. Oktoberhälfte der paradiesischen Frucht. Neben einer Apfelsortenausstellung mit Sortenbestimmung werden ein Regionalmarkt, Vorträge und Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch angeboten.

Für den nächsten Winter ist wieder ein Obstbaumschnittlehrgang in Vorbereitung.

Weitere Informationen zur Aufnahme des Streuobstanbaus als immaterielles Kulturerbe finden Sie hier.

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Apfelhochstämme ©Dr. Mario Schrumpf

 

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