Wildtier des Jahres 2021

Der Fischotter
(Lutra lutra)

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Fischotter // Wikipedia // Bernhard Landgraf

Gleich zwei Superlative heimst der Fischotter ein: Er ist die größte heimische Marderart und zählt zu den besten Schwimmern unter den Landraubtieren. Allerdings stellt er hohe Ansprüche an seinen Lebensraum: Er fühlt sich nur an sauberen, fischreichen Gewässern mit strukturreicher Ufervegetation wohl. Deshalb gilt er auch als Leitart: Wo der Fischotter zu Hause ist, ist die Natur ökologisch intakt und bietet auch anderen seltenen Tier- und Pflanzenarten ideale Lebensbedingungen. Mit seinem rundlichen Kopf, den Kulleraugen und der Stupsnase schleicht er sich schnell ins Herz seiner Betrachter – allerdings braucht es viel Geduld, den dämmerungs- und nachtaktiven Wasserbewohner aufzuspüren. Beste Chancen für eine Fischotter-Sichtung hat man im Bereich flacher Flüsse mit zugewachsenen Ufern und Überschwemmungsebenen, wie an Abschnitten der Saale im Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale. An seinen angestammten Otterpfaden hinterlässt er mitunter verräterische Beutereste, im schlammigen Untergrund auch Trittspuren sowie die Schleifspur seines Schwanzes.

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Fischotter an Baumstamm // Wikipedia // Quartl

Der Fischotter ist sowohl an das Leben im Wasser wie auch an das Landleben perfekt angepasst. Markant ist sein langgezogener Körperbau mit stromlinienförmigem Kopf und Schwimmhäuten an den Pfoten. Die kleinen Ohren und die Nasenlöcher werden unter Wasser verschlossen. Im trüben Wasser fischen? Für den Fischotter kein Problem – er hat lange Tasthaare an der Schnauze, die als Wegweiser dienen. Bis zu acht Minuten kann er unter Wasser bleiben. Beeindruckend ist zudem die Beschaffenheit seines Pelzes: Die Haare sind wie in einer Art Reißverschlusssystem miteinander verzahnt, so bleibt die Haut des Otters trocken und der Körper vor Wärmeverlust geschützt. Ist er auf Beutejagd, so wird vor allem nach kleineren Fischen Ausschau gehalten, darunter langsame und geschwächte Tiere, weshalb er zur Gesunderhaltung von Fischbeständen beiträgt. Auch Blässhühner, Enten, Schermäuse, Schnecken, Frösche und Insekten stehen auf dem Speiseplan. Kleinere Beutetiere vertilgt er im Wasser, größere werden erst an Land gebracht.

Der Fischotter wurde zum Wildtier des Jahres 2021 gewählt, um auf seinen bedrohten Lebensraum aufmerksam zu machen. Durch Bejagung, Gewässerverschmutzung und verkehrsbedingte Verluste starb der Otter Ende des 20. Jahrhunderts in weiten Teilen Deutschlands aus. In Thüringen galt er ab 1974 als ausgestorben. Inzwischen hat sich die europaweit streng geschützte Art Lebensräume zurückerobert, so kommt er an vielen Flusseinzugsgebieten Thüringens wieder vor. Heutige Bedrohungen gehen von Trockenlegungen, Entfernung der Ufervegetation und vom Straßenbau aus. Ein tödliches Hindernis sind Brücken über viel befahrene Straßen – Thüringen investiert deshalb in otterfreundlichen Brückenumbau mit Laufstegen, Schwimm- und Betonbermen. Die Tunnel bzw. Berme ermöglichen nicht nur Fischottern, sondern auch anderen Wildtieren eine gefahrlose Unterquerung von Straßen.

Autor: Susen Reuter

 

Ein Beitrag von Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale

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