Der Weißdorn – Arzneipflanze des Jahres 2019

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Weißdorn Früchte_Susen Reuter

Wer kennt es nicht aus Kindheitstagen, das kleine rote Mehlfässchen mit dem süßlich mundenden Inhalt –gern wurde es genascht auf spätsommerlichen Streifzügen durch Feld und Flur. In Notzeiten wurde das Fruchtfleisch einst zu einer Art Mehl gemahlen oder als Mus verarbeitet. Mehlfässchen ist nur eine der vielen Bezeichnungen, die man dem Weißdorn gegeben hat – genauer gesagt, dem Eingriffeligen Weißdorn, der in Mitteleuropa häufigsten Art. Weitere heimische, wenn auch seltenere Unterarten sind der Zweigriffelige sowie der Großkelchige Weißdorn.

Der Eingriffelige Weißdorn ist ein winterkahler Laubstrauch, seltener ein Baum. Eine perfekte Anpassung zum Schutz vor Wildfraß sind die Sprossdornen, die sich an den jungen Trieben befinden. Wie es der Name schon verrät, blüht der Strauch vom Mai bis Juni und ist übersät von kleinen strahlendweißen Blüten. Bestäuber sind besonders Fliegen, aber auch Bienen. Die rotleuchtenden Früchte, die ab September zu sehen sind, enthalten einen bis fünf aneinander geballte Steinkerne. Ihr Fruchtfleisch ist meist trocken und mehlig, bei einigen Arten auch saftig. Vögel schälen den fleischigen Teil ab, wobei der Steinkern ausgebreitet wird. Der Weißdorn ist jedoch nicht nur Bienenweide und Nahrungsquelle für Vögel und Kleinsäuger, sondern auch idealer Brutplatz, beispielsweise für den Neuntöter, der hier genug Dornen findet, um seine Beute aufzuspießen. Zahlreichen Schmetterlingsarten wie dem Segelfalter und der Kupferglucke dient der Weißdorn als Raupenfutterpflanze.

In der Heilkunde ist der Weißdorn seit vielen Jahrhunderten eine hochgeschätzte Arzneipflanze: Blüten und Blätter werden verwendet, im daraus Präparate für Herz- und Kreislaufbeschwerden zu entwickeln. Die Inhaltsstoffe des Weißdorns verstärken die Pumpkraft des Herzens und verbessern die Durchblutung der Herzkranzgefäße. Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg hat deshalb den Weißdorn zur Arzneipflanze des Jahres 2019 auserkoren, um auf die wirksame Medizin dieser Pflanze aufmerksam zu machen. Dazu sagt Tobias Niedenthal vom Studienkreis: „Der größte Vorteil ist, dass Nebenwirkungen fast nicht vorhanden und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten nicht bekannt sind.” Seit 2016 ist der Weißdorn aufgrund der Unbedenklichkeit und der guten Verträglichkeit des Wirkstoffs von der deutschen Zulassungsbehörde als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

 

Text: Susen Reuter

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