Flechte des Jahres 2021

Die Gewöhnliche Mauerflechte
(Lecanora muralis)

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Gewöhnliche Mauerflechte // BLAM // Wolfgang v. Brackel

Dieser Globetrotter unter den Flechten ist fast überall anzutreffen: Die Gewöhnliche Mauerflechte wächst auf Felsen genauso wie auf Mauern, Dachziegeln, Grabsteinen, Pflaster und Asphalt – seltener auch auf altem Holz. Sie kann gut mit Trockenheit umgehen und ist tolerant gegenüber Schadstoffen. Als Vertreter der Krustenflechten ist sie zudem dicht mit ihrem Untergrund verwachsen – im Gegensatz zu Blatt- oder Laubflechten, die locker auf Substrat aufsitzen. Ihr blasses, grau-grünliches Lager ist meist rosettenartig angeordnet, zahlreich mit Fruchtkörpern besetzt und erreicht Durchmesser von bis zu zehn Zentimetern. Zum Rand hin bilden sich lappenartige, oft verzweigte Verbreiterungen. Die Flechte kann bei genauer Betrachtung sehr kunstvoll wirken und schöne Fotomotive bilden. Es lohnt sich also, im Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale mit Lupe und/oder Makroobjektiv auf Flechtensafari zu gehen, um dieser häufigen und auf den ersten Blick unauffälligen Art Aufmerksamkeit zu schenken.

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Gewöhnliche Mauerflechte // BLAM // Wolfgang v. Brackel

Eine Flechte ist nicht, wie oft angenommen, eine Pflanzengattung – vielmehr ist sie eine Lebensgemeinschaft zwischen einer Alge und einem Pilz. In dieser Lebensgemeinschaft versorgt die Alge den Pilz mit Nährstoffen, die er nicht selbst herstellen kann. Der Pilz gibt der Alge Halt und versorgt sie mit Wasser. Krustenflechten wachsen zwar relativ langsam, können dafür aber ein beträchtliches Alter erreichen. Bei der Gewöhnlichen Mauerflechte kommt es bei sehr alten Exemplaren vor, dass diese im Inneren absterben, dabei ringförmige Lager bilden, innerhalb derer sich wieder neue entwickeln. Das Alter lässt sich bei dieser Flechte anhand der inneren Fruchtkörper gut erkennen: Sind diese bräunlich gefärbt, weist sie bereits ein höheres Alter auf. Die Gewöhnliche Mauerflechte wächst im Schnitt zwischen ein bis maximal 3 Millimeter pro Jahr.

Im Gegensatz zu vielen anderen Lebewesen ist die Gewöhnliche Mauerflechte ein Profiteur der Ausweitung menschlicher Siedlungsräume. Auch mit dem Klimawandel, den steigenden Temperaturen und Dürreperioden Mitteleuropas kommt diese Art gut zurecht. Dank ihr entwickelt sich aus vermeintlich totem Kunststein wie Waschbeton neuer Lebensraum – hier bindet sie Kohlenstoffdioxid und setzt Sauerstoff frei.

Autor: Susen Reuter

 

Ein Beitrag von Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale

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