Pilz des Jahres 2020

Die Gemeine Stinkmorchel
(Phallus impudicus)

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Stinkmorchel // Wikipedia // Birger Fricke

Diesen Pilz riecht man, bevor man ihn erspäht: Der Pilz des Jahres trägt seinen Namen nicht ohne Grund, denn am Hut der Stinkmorchel tropft eine übelriechende Sporenmasse langsam hinab, von der sich vor allem Fliegen, aber auch Mistkäfer wie magisch angezogen fühlen. Für die sensible Nase des Menschen ist der beißende Aasgeruch kaum zu ertragen – er lässt sich meist noch auf eine Entfernung von 20 bis 30 Metern wahrnehmen. Für die Insekten jedoch scheint der glibberige und dickflüssige Überzug, genannt Gleba, ein Festschmaus zu sein! Bis zum letzten Tropfen verspeisen sie ihn und scheiden die Pilzsamen anderenorts wieder aus – sehr zur Freude der Stinkmorchel, die damit ihre natürliche Verbreitung sicherstellt. Die Gemeine Stinkmorchel steht damit beispielhaft für die gegenseitigen Abhängigkeiten aller Lebewesen. Dies ist auch der Grund, warum die Deutsche Gesellschaft für Mykologie e. V. die Stinkmorchel zum Pilz des Jahres ernannte: Man möchte damit auf die Zusammenhänge beim Insektensterben hinweisen.

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Stinkmorchel // Hexenei durchschnitten // Wikipedia // James Lindsey

Wanderer und Spaziergänger finden Stinkmorcheln, die eine Vorliebe für humusreiche Böden hegen und die Nähe zu morschem Holz bevorzugen, in Laub- und Nadelwäldern. Auch an offenen, gebüschreichen Orten, in Schrebergärten und Parkanlagen sind sie anzutreffen. Da die Stinkmorchel nicht selten auf Friedhöfen gedeiht, entstanden im Volksglauben so manch kuriose Geschichte um diesen Pilz. Wuchs auf einem Grab eine Stinkmorchel empor, so glaubte man, dass der darunter liegende Tote mit einem ungesühnten Verbrechen gestorben sei und mit Hilfe dieses Pilzes vor einem ähnlichen Schicksal warnen wolle. Ihre weltweite Verbreitung erstreckt sich außerhalb Europas bis nach Asien, Nord- und Südafrika. Im Grunde sehen Stinkmorcheln auch wie Morcheln aus, gehören aber zur Gruppe der Ständerpilze.

Im späten Anfangsstadium bildet die Stinkmorchel eine kugelförmige Knolle, die auch als Hexenei bezeichnet wird. Aus diesem Hexenei wächst schließlich der 20 Zentimeter lange weiße Stiel mit dem wabenartigen Hut heraus. Der Pilz ist grundsätzlich ungenießbar, es gibt jedoch Sammler, die die Hexeneier ausgraben – und als eine wahrhaft ungewöhnliche kulinarische Delikatesse verspeisen. Die knollenartigen Hexeneier werden durchschnitten und der innere Kern roh gegessen. Manche Pilzfans verzehren auch das von der Gallerthülle befreite Ei in Scheiben geschnitten. In Butter gebraten soll der Kern des Hexeneis ein mildes Aroma entfalten, das ganz leicht an Rettich mit dezenter Süße erinnert.

Autor: Susen Reuter

 

Ein Beitrag von Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale

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