Zukunftsgerichtete Streuobstpflege im Biosphärenreservat Rhön

Der Naturpark & Biosphärenreservat Rhön Bayerische Rhön – Biosphärenzentrum „Haus der Schwarzen Berge“ in Oberbach und der Bund Naturschutz Kreisgruppe Bad Kissingen hatte den Pomologen Jan Bade zu einem Schnittkurs eingeladen. Über 30 Teilnehmer nahmen dieses Angebot in Oberbach und Großenbrach an und zeigten Ihr Interesse und Engagement an einer fachgerechten Obstbaumpflege im Streuobstanbau. Viele von ihnen waren bereits das zweite Mal dabei und wieder voller Ehrfurcht vor der Fülle der vermittelten Informationen.

Nachdem die Philosophie der 60er und 70er Jahre lange Zeit die Wirtschaftlichkeit und Menge des Ertrages bei Obstbäumen beinhaltete, ist man sich heute in Expertenkreisen einig, dass die wichtigste Aufgabe darin besteht, den Baum gesund und ertragreich in das höchste Alter zu führen. Jan Bade ist Verfechter des Palmer-Öschberg-System. Obstgehölze sind ein rein menschliches Kulturgut und brauchen in allen Altersphasen ein Mindestmaß an Pflege. Hierbei sind die ersten 10 Jahre besonders wichtig. Bade dazu: „Will ich Tafelobst ernten, muss die Pflege intensiver sein, als wenn nur Mostobst gefragt ist.“

Erkenntnisse aus der modernen Großbaumpflege flossen genauso in diesen Kurs mit ein, sowie Sortenkunde und der Einfluss des Bodens auf die Vitalität des Baumes. Wichtigste Zielsetzung des Kurses war es, eine dem jeweiligen Obstgehölz angepasste Schnittmaßnahme (z.B. Erhaltungs- oder Verjüngungsschnitt) zu vermitteln. Die Bäume müssen im richtigen Alter verjüngt werden, die Verjüngung muss in mehreren Stufen erfolgen, damit dem Baum das richtige Maß an Wuchsmasse genommen wird, die Äste müssen in eine sinnvolle Richtung geleitet werden, damit das Kroneninnere nicht zuwächst und ein Leitsystem der Äste sollte vorhanden sein, damit der Baum stabil bleibt. Die Komplexität zwischen Fruchtholzschnitte und Leittriebbildung im Verhältnis zur Blattmasse des Baumes in der richtigen Waage zu halten, bedarf einiger Übung.

Ein weiterer Schwerpunkt des Kurses war es, den Baum lesen und verstehen zu lernen, von der Wurzel bis zur Spitze, incl. des Umfeldes. Erst daraus leitet sich die Zielsetzung ab, auf die die Pflegemaßnahme erfolgt. Das ist nicht immer zwingend der Baumschnitt, sondern kann auch z.B. Bodenpflege sein. Lehmboden und Mist sind der beste Wundverschluss, das Kambium darf nicht austrocknen, dann kann der Baum sich wieder selbst heilen und eventuell eingedrungene Pilze hemmen und zum Absterben bringen. Jan Bade erklärte in Theorie und Praxis wie man möglichst langlebige und gesunde Bäume aufbaut und erhält.

Bisher gibt es dafür noch kein Regelwerk, dafür braucht es einiges pflanzenphysiologisches und botanisches Verständnis. Jedoch sammeln Bade und seine Kollegen in ganz Deutschland in einem Expertenarbeitskreis jedes Jahr Erfahrungen, tauschen sich aus und entwickelt dazu langfristige Konzepte. Dort wird für die Pflege von großkronigen Obstgehölzen die systematische Vorgehensweisen beschrieben, verwendete Begriffe definiert und Qualitätskriterien für Erziehung, Pflege und Schnitt von langlebigen Hochstamm-Obstbäumen formuliert.

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Interessierte Teilnehmer am Obstbaum-Schnittkurs mit dem Pomologen Jan Bade

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