Erfolgreiche Zwischenbilanz im Projekt “Bechsteinfledermaus”

Ergebnisse Bechstein klein 620x412 Erfolgreiche Zwischenbilanz im Projekt Bechsteinfledermaus

Der Naturpark Rhein-Taunus legt im Projekt „Bechsteinfledermaus“ jetzt Zwischenergebnisse vor: In zwei Jahren intensiver Feldarbeit mit Netzfängen und Telemetrie-Beobachtung wurden in den Wäldern des Naturparks insgesamt 27 Kolonien gesichert nachgewiesen. „Das ist ein erfreuliches Ergebnis und zeigt, dass unsere Mischwälder ein äußerst bemerkenswertes und vitales Vorkommen dieser seltenen Tiere beherbergen“, erklärt Naturpark-Geschäftsführer Andreas Wennemann.

Quicklebendige, 15 Gramm leichte Bechsteinfledermäuse schlafen gegenwärtig in tiefen Stollen oder Höhlen unserer Region. Vielleicht träumen diese kleinen Säugetiere von warmen Sommernächten in unseren bunten Laubwäldern mit leckeren Raupen oder Spinnen, die den kleinen Magen füllten. In den Winterschlaftraum einiger dieser heimlichen Waldbewohner mischt sich dann vielleicht die Erinnerung an die Begegnung mit feinen Netzen, Menschen mit Stirnlampen und einem kleinen Sender auf dem eigenen Rücken, der nach gut einer Woche irgendwo in der Schlafhöhle in einer Eiche oder bei der nächtlichen Jagd wieder abgefallen ist. Diese Szene, die sich hier in den Traum eines der kleinen, fliegenden Säugetiere mischt, hat sich so in den vergangenen zwei Sommern im Naturpark Rhein-Taunus mehrmals abgespielt.

Um das Überleben dieser Art zu sichern, sind weitgehend ungestörte und naturnahe Laubmischwälder erforderlich. Gelegentlich ist das nur 15 Gramm schwere fliegende Säugetier auch in Streuobstwiesen anzutreffen. „Das Vorkommen dieser Art in den hiesigen Wäldern gibt uns den wichtigen Hinweis, dass an vielen Stellen wieder Elemente echter Urwälder entstanden sind. Wer im Naturpark mit offenen Augen unterwegs ist, kann sich von dieser Entwicklung leicht selbst überzeugen“, sagt Andreas Wennemann.

Die Ergebnisse bestätigen zudem den Verbreitungsschwerpunkt dieser Art in Mitteleuropa und die Bedeutung ihrer Wahl zu einer der Verantwortungsarten. Schon jetzt dient ihre Förderung dem Schutz vieler Lebensräume, zahlreichen darin lebenden Tier- und Pflanzenarten und dem Erhalt ihrer wertvollen genetischen Vielfalt. Vor kurzem ist die Bechsteinfledermaus vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als Zielart der Hessischen Biodiversitätsstrategie für den Rheingau-Taunus-Kreis ausgewählt worden, so dass das laufende Projekt im Naturpark Rhein-Taunus sowohl regionale als auch bundesweite Schwerpunkte des Artenschutzes aufgreift.

Eine gute Übersicht der Ergebnisse bietet die druckfrische Karte, die Andreas Wennemann den beiden Vorsitzenden des Naturparks Rhein-Taunus Heinz Juhnke, Kreisbeigeordneter im Rheingau-Taunus-Kreis, und Arno Goßmann, Bürgermeister der Stadt Wiesbaden vorgestellt hat. Ergänzt wird die Karte durch die exakten Daten der Kolonienachweise. Beide Mitglieder des Vorstands betonten die Bedeutung des Naturparks Rhein-Taunus in seiner Funktion als gemeinsame regionale Projektplattform. Auf dieser Basis ist ein gelungenes Beispiel für eine regionale Kooperation im Arten- und Naturschutz entstanden.

Insgesamt wurden innerhalb der beiden Untersuchungsjahre im Wald mehr als 16 Kilometer Netz an insgesamt 180 ausgesuchten Standorten und in fast ebenso vielen Nächten aufgestellt und von WildbiologInnen betreut. Diese Netze wurden mehrere Meter hoch gespannt, so dass sich eine Gesamtnetzfläche von fast 50.000 Quadratmetern ergibt. Mit Hilfe der Netze wurden Tiere eingefangen und mit kleinen Sendern versehen. So konnten ihre Aktivitäten jeweils etwa eine Woche beobachtet werden. Denn die Sender fallen in der Regel entweder bei der Jagd oder in der Schlafhöhle nach einigen Tagen wieder ab. Durch den gezielten Einsatz konnte das Team des Instituts für Tierökologie und Naturbildung letztendlich 27 Kolonien mit 54 Quartierbäumen gesichert nachweisen. Allerdings zeigen sich vor diesem Hintergrund auch die Seltenheit dieser Tierart in unseren Wäldern und die Schutzbedürftigkeit, die sich für ihr Lebensumfeld daraus ergibt.

Aufgrund der jetzt günstigen Datenlage wird aktuell in den Wintermonaten ein sogenanntes Lebensraummodell für die Verbreitung der Bechsteinfledermaus im Naturparkgebiet erstellt. Dieses dient der Vorhersage des Vorkommens dieser Fledermausart in noch nicht untersuchten Gebieten des Naturparks. In der Folge sollen mit den regionalen WaldeigentümerInnen und ihren FörsterInnen konkrete Hinweise und Hilfestellungen für den Arten- und Naturschutz und deren Integration in die Waldbewirtschaftung entwickelt werden. Gemeinsam mit den hiesigen Forstleuten entwickelte Maßnahmenvorschläge können darüber hinaus überregional die gewonnen Erkenntnisse weitertragen und zu einer Wiedervernetzung der noch vorhandenen Populationen der Bechsteinfledermaus beitragen.

 

Hintergrund:

Das Projekt „Förderung eines Kolonieverbundes der Bechsteinfledermaus im europäischen Populationszentrum“ im Naturpark Rhein-Taunus wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert. Für die Erhaltung dieser Fledermausart hat die Bundesrepublik Deutschland – als zentraler weltweiter Verbreitungsschwerpunkt dieser Art – eine besondere Verantwortung übernommen. Aus dem heimischen Pflanzen- und Tierreich wurden insgesamt 40 derartige „nationale Verantwortungsarten“ ausgewählt. Auf Basis dieses Förderprogramms konnten im Jahr 2012 die Stadt Wiesbaden, der Rheingau-Taunus-Kreis und die Städte und Gemeinden im Rheingau-Taunus-Kreis gewonnen werden, um gemeinsam mit dem Naturpark Rhein-Taunus ein Naturschutzprojekt für die beispielhafte Erhaltung der Biologischen Vielfalt der Region bis 2017 zu realisieren. Das Projekt, welches auch zum Erwerb des Zertifikats „Qualitätsnaturpark“ erheblich beigetragen hat, wird seitens der Stadt Wiesbaden mit rund 120.000 Euro über vier Jahre gefördert. Der Rheingau-Taunus-Kreis trägt einen gleich hohen Betrag zum Projekt z.B. durch Infrastrukturleistungen bei, vom Bundesamt für Naturschutz fließen rund 730.000 Euro Fördermittel für das Projekt.

Weitere Informationen in Kürze unter www.bechsteinfledermaus.eu

 

Kontakt für Rückfragen:

Andreas Wennemann
Geschäftsführer des Naturpark Rhein-Taunus
Tel.: 06126 – 4379
E-Mail: info@naturpark-rhein-taunus.de

Naturpark Rhein-Taunus

Veitenmühlweg 5
65510 Idstein

Telefon

  • (+49) 06126 4379

Faxnummer

  • (+49) 06126 955955

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