Renaturierung eines Saalealtarms bei Plötzkau

Durchbruch Juni 2026 © Naturpark Utneres Saaletal
Wenn die Sommerhitze das Untere Saaletal erreicht und Flüsse, Teiche und Altarme unter steigenden Temperaturen leiden, gibt es im Zinkenbusch bei Plötzkau künftig einen wichtigen Verbündeten: die Saale selbst. Dank einer erfolgreichen Renaturierungsmaßnahme fließt wieder frisches Wasser in einen lange Zeit vom Fluss getrennten Altarm. Was auf den ersten Blick wie ein kleiner Eingriff erscheint, ist in Wirklichkeit ein wichtiger Beitrag für Naturschutz, Artenvielfalt und Hochwasserschutz.
Wer heute am Saale-Radweg unterwegs ist, sieht eine begrünte Landschaft, in der sich das Wasser wieder seinen natürlichen Weg bahnt. Noch vor wenigen Jahren sah die Situation anders aus: Der abgetrennte Altarm litt unter hohen Wassertemperaturen, zunehmender Verlandung und wiederkehrendem Fischsterben. Für den Naturpark Unteres Saaletal und die zuständigen Naturschutzbehörden war klar, dass gehandelt werden musste.
Fünf Jahre Planung für wenige Meter Natur
Der Weg bis zur Umsetzung war lang. Bereits vor fünf Jahren begannen die ersten Planungen und Voruntersuchungen. Zahlreiche wasser-, boden-, abfall- und naturschutzrechtliche Genehmigungen mussten eingeholt, Fördermittel beantragt und Fachfirmen für Planung und Bau gefunden werden. Die erforderlichen naturschutzfachlichen Unterlagen wurden vom Naturpark selbst erarbeitet.
Anfang 2026 war es schließlich soweit: Zwischen zwei Altarmen wurde auf einer Länge von rund 55 Metern ein Deichdurchstich geschaffen. Die Böschungen wurden angepasst und der beim Aushub anfallende Boden direkt vor Ort wieder eingebaut. Seitdem kann Wasser aus der Saale wieder in den Altarm einströmen und für einen natürlichen Austausch sorgen.

Standort Altarm Plötzkau mit künstlichem Damm (c) GeoBasis-DE / LVermGeo LSA, 2025, bearbeitet
Lebensraum für seltene Arten
Von der neuen Verbindung profitieren zahlreiche Tiere und Pflanzen. Besonders wassergebundene Arten wie Fische, Amphibien und Libellen finden nun bessere Lebensbedingungen vor. Auch Biber und Fischotter erhalten durch den wiederhergestellten Gewässerverbund neue Wander- und Rückzugsräume.
Der regelmäßige Zufluss von Frischwasser verbessert die Wasserqualität, senkt extreme Temperaturspitzen im Sommer und verringert die Gefahr von Sauerstoffmangel. Damit steigen die Chancen, dass sich das ökologische Gleichgewicht langfristig stabilisiert.

Fischotter © VDN-Fotoportal / TK
Naturschutz und Hochwasserschutz gehen Hand in Hand
Die Maßnahme zeigt beispielhaft, dass Naturschutz und Hochwasserschutz keine Gegensätze sein müssen. Durch die Reaktivierung natürlicher Gewässerstrukturen entstehen zusätzliche Retentionsräume, die bei Hochwasserereignissen Wasser aufnehmen können. Gleichzeitig werden wertvolle Feuchtlebensräume erhalten und entwickelt.
Umgesetzt wurde das Projekt vom Verband „Naturpark Unteres Saaletal“ in enger Zusammenarbeit mit dem Salzlandkreis. Insgesamt beliefen sich die Kosten einschließlich Planung auf rund 85.000 Euro. Finanziell unterstützt wurde die Maßnahme unter anderem durch das VDN-Projekt „Klimaschutz und biologische Vielfalt in Feuchtlebensräumen in Naturparken“, den Kaufland Klimafonds, Coca-Cola Europacific Partners Deutschland sowie die Salzlandsparkasse.
Ein Gewinn für Mensch und Natur
Der wiederbelebte Altarm im Zinkenbusch ist mehr als ein Renaturierungsprojekt. Er ist ein Beispiel dafür, wie durch Engagement, fachliche Expertise und eine langfristige Planung wertvolle Lebensräume gesichert werden können. Radfahrer, Angler, Naturfreunde und nicht zuletzt die Tierwelt profitieren gleichermaßen von der neuen Verbindung zur Saale.
So zeigt der Zinkenbusch eindrucksvoll: Manchmal reichen wenige Meter Wasserweg, um einer ganzen Landschaft neues Leben einzuhauchen.
Der MDR hat zu diesem Thema einen Beitrag gesendet, den Sie hier ansehen können.
Ein Beitrag von Verband Deutscher Naturparke
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