Eiszeithelden – Überleben im Frost

Kalt ist es © VDN-Fotoportal/Thomas Matzner
Wenn der Winter bei uns die Welt in Kälte, Eis und Schnee hüllt und das Leben scheinbar zum Stillstand kommt, beginnt in der Natur ein stiller Überlebenskampf. Wer jetzt genau hinsieht, entdeckt Erstaunliches: Tiere und Pflanzen haben im Laufe der Evolution verblüffende Strategien entwickelt, um dem Winter zu trotzen. Manche Tierarten verschwinden, andere schlafen – und wieder andere besitzen sogar eine Art „Frostschutzmittel“ im Körper. So sind sie gut auf die kalte Jahreszeit vorbereitet.
Viele Tierarten begegnen der kalten, nahrungsarmen Jahreszeit mit ganz unterschiedlichen Tricks. Während Zugvögel in den Süden ziehen, verfallen andere Tiere in Winterruhe, Kältestarre oder sogar in tiefen Winterschlaf. In dieser Zeit fahren sie ihren Körper auf Sparflamme: Herzschlag und Atmung werden langsamer, die Körpertemperatur sinkt und sie leben von den Reserven aus dem Sommer. Eichhörnchen und Eichelhäher gehen auf Nummer sicher und legen sich im Herbst gut gefüllte Vorratskammern an.

Gut versteckt und doch gefunden ©VDN-Fotoportal / Gerhard Glatz
Auch äußerlich rüsten sich viele Tiere für die Kälte: Säugetiere wechseln ihr Fell und tragen im Winter ein dichtes, gut isolierendes Haarkleid. Vögel plustern ihr Gefieder auf und schaffen sich so eine wärmende Luftschicht – eine natürliche Daunenjacke.
In Kellern, Dachböden und anderen frostfreien Verstecken verbringen beispielsweise Marienkäfer, Florfliegen und Schmetterlinge wie der Kleine Fuchs oder das Tagpfauenauge die kalte Jahreszeit in Winterruhe. Doch milde Winter können zum Problem werden: Wenn warme Tage den nahenden Frühling vortäuschen, verlassen manche Tiere zu früh ihren Wintermodus. Kommt dann noch einmal der Frost zurück, überleben das nicht alle. Wer zu früh aufwacht, zahlt daher manchmal einen hohen Preis. Dennoch schaffen es z.B. erstaunlich viele Insekten, auch solche trügerischen Frühlingssignale im Winter unbeschadet zu überstehen.
Ein besonders cleverer Überlebenskünstler ist der Zitronenfalter: Er überwintert ungeschützt an Zweigen hängend – dank eines körpereigenen „Frostschutzmittels“, das ihn vor dem Erfrieren bewahrt. So gehört er oft zu den ersten Schmetterlingen, die schon an den ersten milden Tagen des Frühjahrs durch die Luft gaukeln.

Wunder über Wunder ©VDN-Fotoportal/A. Klein
Milde Winter bringen auch viele Vögel früh in Frühlingsstimmung. Amseln und Kohlmeisen beginnen manchmal schon im Januar mit Revierkämpfen und Nestbau. Ausgelöst wird dieses Verhalten vor allem durch die länger werdenden Tage. Die Temperatur spielt dabei die Rolle des Regulators: Kälte bremst, milde Witterung fördert die Frühlingsgefühle und das damit verbundene Verhalten. Ein später Wintereinbruch ist jedoch meist kein großes Problem – Eier liegen zu dieser Zeit in der Regel noch nicht in den Nestern, und für die Aufzucht von Jungvögeln fehlen bis in den März hinein ohnehin noch die nötigen Insekten.
All das zeigt: Wir können vielen Tieren beim Überwintern helfen. Beeren tragende Sträucher und samenreiche Stauden bieten Vögeln Nahrung, spezielle Spaltenquartiere helfen Schmetterlingen und Florfliegen, Steinhaufen dienen Amphibien als Versteck und Reisighaufen werden gern von Igeln genutzt.

Mecki vor dem Winterschlaf © VDN-Fotoportal / Jutta Grote
Doch auch Pflanzen haben beeindruckende Überlebensstrategien. Viele von ihnen fallen im Winter in eine Art Ruhephase. Sie bilden Substanzen wie Zucker oder Glycerin, die wie ein Frostschutzmittel wirken und verhindern, dass das Zellwasser schon bei null Grad gefriert. Außerdem speichern sie ihre Energie in Knollen und Zwiebeln unter der Erde, wo sie gut geschützt auf den Frühling warten.

Januar-Farben ©VDN-Fotoportal / Luxfox
Der Laubfall ist ebenfalls eine geniale Anpassung: Da gefrorene Böden kein Wasser liefern, würden Bäume über ihre Blätter zu viel Feuchtigkeit verlieren – also werfen sie sie rechtzeitig ab und schützen sich so vor dem Vertrocknen. Immergrüne Nadelbäume können ihre Blätter, die Nadeln, ganzjährig behalten, da diese sehr gut gegen den Verlust von Wasser geschützt sind.
Einjährige Pflanzen überdauern den Winter nur als Samen. Ihre harte Schale und der geringe Wassergehalt machen sie nahezu unempfindlich gegen Frost. Erst wenn Licht, Feuchtigkeit und Temperatur stimmen, endet die Keimruhe und neues Leben beginnt.
So zeigt der Winter eindrucksvoll: Auch wenn die Natur still und leblos wirkt, arbeitet sie im Verborgenen mit raffinierten Tricks – und bereitet sich schon auf den nächsten Frühling vor.

Winterzauber © VDN-Fotoportal / Raimund Knauf
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