Naturpark mit starkem Naturschutz-Schwerpunkt

Prominent am 25. August 2026

 

Der Wendehals ist zurück im Naturpark-Vogler© Luca Cagnasso

Der Naturschutz spielt eine bedeutende Rolle im Naturpark Solling-Vogler. Zwei zentrale Projekte verdeutlichen das: Zum einen stellen die Beweidungsprojekte ein Alleinstellungsmerkmal des Naturparks dar. Auf mehr als 300 ha Fläche betreibt der Naturpark Landschaftspflege mit Heckrindern, Galloways und Exmoorponys, um aus der Nutzung gefallene artenreiche Grünlandflächen zu erhalten und zu entwickeln. Dabei betreut der Naturpark mit einem professionellem Weide- und Tiermanagement das von den Niedersächsischen Landesforsten getragene Eichen-Hutewaldprojekt im Solling, das eines der größten ihrer Art in Deutschland darstellt.

Mit der Errichtung einer Ökologischen Station (ÖSSV) unter der Trägerschaft des Naturparks Solling-Vogler wird der Naturschutz innerhalb des Naturparks und in den beiden Landkreisen Holzminden und Northeim deutlich gestärkt. Die vom Land Niedersachsen finanzierte Schutzgebietsbetreuung umfasst im niedersächsischen Berg- und Hügelland zwischen der Weser im Westen und der Leine im Osten insgesamt 15 FFH-Gebiete, 3 Vogelschutzgebiete und 25 Naturschutzgebiete sowie weitere Natura-2000 Schutzgüter außerhalb der Schutzgebiete. Auch wenn die Region durch die namensgebenden waldreichen Höhenzüge Solling und Vogler geprägt ist, liegt der Fokus der Arbeit im Grünland, vor allem an den Hanglagen der Höhenzüge und in den Tälern des Sollings.

Die besondere Vielfalt und der Artenreichtum der Grünlandtypen begründeten sich sowohl in einer traditionellen Bewirtschaftung als auch in unterschiedlichen geologischen Untergründen. Die Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörden in der Bewahrung und Entwicklung der floristischen und faunistischen Vielfalt des artenreichen Grünlands ist die Hauptaufgabe der ÖSSV.

Einen unverzichtbaren Beitrag zur Pflege und Erhalt dieser Flächen leisten landwirtschaftliche Betriebe, vor allem Wanderschäfer und Mutterkuhhalter. Die enge Kooperation zu diesen Betrieben wurde bereits während des Vorläuferprojektes „Kooperativer Naturschutz im Naturpark Solling-Vogler“ geschaffen und wird im Zuge der Ökologischen Station weitergeführt. Gleiches gilt für die seit vielen Jahren laufende Beratung zu den Agrarumweltmaßnahmen, die neben der Erfassung und dem Management des Grünlandes einen Schwerpunkt in der Arbeit der ÖSSV darstellen.

 

Das Team der ÖSSV (v. l.): Karin Rühl, Dr. Ansgar Hoppe, Erika Voss, Sandra Neißkenwirth, Vera Kühlmann. © Tore Straubhaar

Ziel der Arbeit ist es, durch die Schutzgebietsbetreuung die biologische Vielfalt dauerhaft zu erhalten und wertvolle Lebensraumraumtypen wie Borstgras – und Kalkmagerrasen, Magere Flachlandmähwiesen und Bergwiesen gemeinsam mit Land- und Forstwirtschaft, Naturschutzverbänden und weiteren Partnern zu schützen und weiterzuentwickeln. Dazu gehören auch die Planung und Umsetzung konkreter Arten- und Biotopschutzmaßnahmen.

Diese Arbeit zeigt bereits Erfolge. So wurden Pflanzen- und Tierarten erfasst, Lebensräume bewertet und Empfehlungen für eine naturschutzgerechte Bewirtschaftung erarbeitet. Besonders erfreulich war die Wiederentdeckung zweier seltener Arten. So wurde der Wendehals, eine gefährdete Spechtart, erstmals seit langer Zeit wieder im Landkreis Holzminden nachgewiesen. In den Streuobstwiesen der Rühler Schweiz findet der Vogel ideale Bedingungen vor: Alte Kirschbäume bieten natürliche Bruthöhlen, während extensiv beweidetes Grünland mit Blütenpflanzen, offenen Bodenstellen und Ameisenvorkommen ausreichend Nahrung liefert.

Auch botanisch konnte ein bedeutender Erfolg verzeichnet werden. Nach rund 15 Jahren wurde auf den Holzbergwiesen der Abbiss-Pippau wiedergefunden. Die seltene Pflanze wächst auf lückigen Magerrasen und gilt als äußerst konkurrenzschwach. Derzeit umfasst die Population lediglich bis zu fünf Exemplare. Um ihr dauerhaftes Überleben zu sichern, setzt die Ökologische Station auf eine angepasste Beweidung sowie den gezielten Schutz der Blüten vor Verbiss, damit die Pflanzen aussamen und sich wieder ausbreiten können.

Die Wiederentdeckung von Wendehals und Abbiss-Pippau verdeutlicht, dass sich die intensive Zusammenarbeit von Naturschutz, Landwirtschaft und Flächeneigentümern auszahlt. Sie zeigt zugleich, wie wichtig die Arbeit der Ökologischen Station für den Erhalt der biologischen Vielfalt in den Landkreisen Holzminden und Northeim ist.

Der Abbiss-Pippau wächst wieder in Niedersachsen © Ansgar Hoppe

 

 

Zweckverband Naturpark Solling-Vogler im Weserbergland

Wildpark 1
37603 Holzminden OT Neuhaus i.S.

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One thought on “Naturpark mit starkem Naturschutz-Schwerpunkt”

  1. Andreas Selbmann
    1

    Recht bemerkenswert was ihr auf die Beine gestellt habt und mit welchem Erfolg, auch wenn sie noch zu klein sind es sind Erfolge. Beeindruckend finde ich die Beweidung mit Rindern, schade nur das es unsere Naturschutzbehörde in Nordsachsen nicht hinbekommt. Dabei müssten doch die Graswüsten im Großnaturschutzgebiet nur so danach schreien. Stadessen schaut man zu wie diese ehemals Blumenreichen Wiesenflächen den Artentod sterben. Andreas Selbmann

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