Naturschutzstation “Auf dem Ortkrug” eröffnet

Naturparke Neuigkeiten am 18. Juli 2016

Das muss das Ende der Welt sein. Zumindest eines der Enden, die in der Müritzregion zu finden sind, so abgeschieden ist es in Ortkrug. Hier, sagt Ralf Koch, befindet sich nachweislich eine der dunkelsten Stellen in ganz Deutschland – jedenfalls in der Nacht. Hier stört der Mensch die Natur nur wenig. Ortkrug in der Gemeinde Alt Schwerin, direkt am Drewitzer See gelegen, ist ein Refugium. Früher mal ein Fischereistandort, jetzt Dreh- und Angelpunkt eines Stiftungsgebietes. Ralf Koch ist Vorstand der Stiftung Reepsholt, die von Ulrich Reeps, einem im vergangenen Jahr verstorbenen Mann aus Bremen, 2001 gegründet wurde. „Gegen viele Widerstände“, wie Ralf Koch berichtet. Seit 1994 schon hatte Reeps versucht, die Stiftung ins Leben zu rufen – sieben Jahre lang hatte er dafür gekämpft. „Ulrich Reeps war ein beeindruckender Mann. Er hatte sein Leben lang in der Entwicklungshilfe im Ausland gearbeitet, sprach acht Sprachen, war ein offener, interessierter Mann, der etwas verändern wollte, ein Mann, der Natur erhalten wollte“, berichtet Ralf Koch. Reeps lebte in seinen letzten Jahren abwechselnd in Bremen und in Ortkrug, in dem Haus, das heute der Stiftung gehört und das künftig ein Refugium für Forscher, Künstler und Lernende sein soll. Das Haus, das einst für die Fischerei genutzt wurde, ist vor wenigen Tagen als Naturschutzstation „Auf dem Ortkrug“ eröffnet worden und liegt im Stiftungsgebiet. Mitten im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide hatte Ulrich Reeps im Laufe der vergangenen Jahre Flächen gekauft – rund 700 Hektar sind so zusammen gekommen. „Ziel der Stiftung ist es nun, die Kiefernwälder im Besitz der Stiftung langfristig in Mischwälder umzubauen. Und ein Teil der Flächen, rund 150 Hektar, werden naturnah landwirtschaftlich genutzt.

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Der Vorstand der Stiftung Reepsholt. Von links: Ralf Koch (Vorsitzender), Katja Hahne (Stellvertreterin) und Dr. Sebastian Lorenz (Beisitzer).

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Katja Hahne, stellv. Vorsitzende der Stiftung Reepsholt, bei der Eröffnung der Naturschutzstation “Auf dem Ortkrug”.

Schon kurz nach der Wende war Ulrich Reeps auf das Gebiet des Naturparkes aufmerksam geworden. Damals war er auf der Suche nach Flächen, die im Auftrage seiner verstorbenen Frau von der Umweltschutzorganisation WWF gekauft werden sollten. „Vorfahren von Ulrich Reeps hatten Wurzeln auch hier in der Region, deshalb ist er hierher gekommen“, berichtet Ralf Koch. Das Erbe seiner Frau wurde sinnvoll angelegt: Bei Malkwitz wurde ein Trockenhügel gekauft, der schon zu DDR-Zeiten als Motocrossbahn genutzt wurde – und das mitten im Schutzgebiet. Dieser Hügel wurde nun der Natur zurück gegeben. Ein Erfolg. Dennoch kam Ulrich Reeps wohl ins Grübeln. „Er hatte gesehen, wie wenig Land letztendlich für das Geld seiner Frau gekauft werden konnte, viel Geld ging offenbar auch in die Verwaltung des WWF. Ulrich Reeps hatte dann die Idee, eine eigene Stiftung zu gründen, damit sein Geld direkter in Umweltschutzprojekte fließen kann“.

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Eröffnung der Naturschutzstation “Auf dem Ortkrug”.

Ulrich Reeps hatte keine Nachkommen. „Er sagte selbst einmal, dass er immer viel gearbeitet habe, aber nie Zeit hatte, Geld auszugeben. Sein Erbe ist nun in die Stiftung Reepsholt geflossen“, so Koch. Und diese Stiftung schreibt ab sofort Stipendien aus für Menschen, die einen Rückzugsort suchen. Für Forscher, die sich in Ruhe ihrer wissenschaftlichen Arbeit widmen wollen. Für Künstler, die abgeschieden an ihrem Gemälde, ihrer Skulptur arbeiten wollen. Für Studenten, die an ihrer Abschlussarbeit feilen. 1000 Euro pro Monat beträgt das Stipendium, maximal drei Monate lang kann es pro Person vergeben werden. „Bewerbungen nehmen wir ab sofort entgegen“, sagt Ralf Koch.
Wohnen können die Stipendiaten in dem Haus der Stiftung Reepsholt direkt an der Bucht des Drewitzer Sees, die ebenfalls im Stiftungsbesitz ist. Wer dort wohnt, der kann sich auf seine Arbeit konzentrieren – der soll aber auch im Sinne des Naturschutzes tätig werden: Pflegeeinsätze, Mitarbeit beim Waldumbau, bei der Wiesenmahd, beim Heumachen, alles ist möglich. „Auch Tierbeobachtungen und Artenerfassung sind denkbar“, sagt Ralf Koch. Bewerber gibt es schon: Ein Wissenschaftler will zum Beispiel erforschen, wie dunkel die Nacht in Mecklenburg tatsächlich ist – und wie sehr der Mensch die Tiere verunsichert, weil er nicht im Dunkel tappen will und überall Beleuchtungen installiert. In Ortkrug, am „Ende der Welt“, jedenfalls ist es, wie gesagt, so dunkel, wie sonst nirgendwo. Weil die Natur das Sagen hat – auch dank der Stiftung Reepsholt.

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Aus Anlass der Eröffnung der Naturschutzstation wurde eine Eiche aus dem Projekt “Junge Riesen” des Naturparks gepflanzt.

p.konermann@nordkurier.de

Ein Beitrag von Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide

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