Kleiner Naturschutztag fand großes Interesse

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Erdkrötenpaar auf dem Weg zum Laichgewässer.

Mehr als 120 Besucher haben den 9. Kleinen Naturschutztag – die traditionelle Jahrestagung des Naturparks am 19. Februar besucht. Bis auf den letzten Stuhl waren alle Plätze in der Regionalwerkstatt Stechlin in Menz ausgebucht. Neuer Besucherrekord!

Bei der Jahrestagung des Naturparks wurden Untersuchungen, Planungen und Projekte vorgestellt, die im zurückliegenden Jahr durch die Naturparkverwaltung oder ihre Kooperationspartner beauftragt oder mit Partnern umgesetzt wurden, aber auch Planungen für die nächsten Jahre vorgestellt.

Felix Glaser von der Bürogemeinschaft Luftbild Brandenburg gab einen Überblick über den Abschluss der Pflege- und Entwicklungsplanung (PEP) mit integrierter NATURA-2000 Managementplanung im Naturpark. Der PEP ist der Naturschutzfachplan des Naturparks für die nächsten 10 Jahre. Am 19. März wird der Plan im Rahmen eines Offenen Abschluss-Kolloquiums in Menz ausführlich vorgestellt und diskutiert.

Zahlreiche im PEP vorgeschlagene Maßnahmen werden im Rahmen des landesweiten EU-Life-Projektes Feuchtwälder vom NaturSchutzFonds Brandenburg in den nächsten Jahren umgesetzt. Das Stechlinseegebiet, der Rheinsberger Rhin und das Kunstertal gehören zum Projektgebiet. Michael Zauft, seines Zeichens Projektleiter lädt alle Interessierter zur Auftakt-Veranstaltung am 5. März nach Menz ein.

Die Intensivierung der Landnutzung hat oft Auswirkungen auf das Arteninventar und die Erholungseignung unserer Kulturlandschaft. Tilmann Disselhoff vom NABU-Regionalverband Gransee und Martin Sauer vom Bürgerbündnis lebenswerte Dörfer Rauschendorf berichteten über die Umweltauswirkung des großflächigen Spargelanbaus und Grünlandumbruchs am Rande des Naturparks auf der Granseer Platte.

Das Sturmtief Otto hat im Juli 2011 nicht nur im Wald und an zahlreichen Häusern seine Spuren hinterlassen. Über die Auswirkungen des Naturereignisses auf den Stechlinsee und seine Wasserqualität referierte Dr. Peter Kasprzak vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Neuglobsow. Die unmittelbar am Stechlin ansässigen Wissenschaftler haben nicht nur die Ereignisse hautnah beobachtet, sondern auch mögliche Konsequenzen für Brandenburgs berühmtesten Klarwassersee im Seelabor nachgestellt.

Die Wilddichte im Wald hat unmittelbare Auswirkungen auf die Naturverjüngung. Ein sich natürlich entwickelnder Wald aus Samen hilft nicht nur Geld zu sparen für aufwendiges Pflanzen, er ist auch ökologisch wesentlich stabiler. Welche jagdlichen Anstrengungen der Landesbetrieb Forst im nördlichen Naturpark in den letzten Jahren unternommen hat und welche Erfolge sich dabei schon eingestellt haben, darüber berichtete der Leiter der Landeswald-Oberförsterei Steinförde, Sven Oldorff.

Die waldfreien Moorflächen im FFH-Gebiet Gramzowseen wurden in den letzten Jahren im Rahmen des EU-Life-Projektes Kalkmoore wiedervernässt.  Dr. Ines Rönnefahrt aus dem angrenzenden Burow ist Spezialistin für Schnecken.  Sie wurde 2014 von der Naturparkverwaltung beauftragt zu prüfen, wie sich die Wiedervernässung auf europaweit geschützte Schneckenarten auswirkt. Die Bilanz ist positiv. Die europaweit vom Aussterben bedrohten, kaum stecknadelgroßen Windelschnecken fühlen sich in den wiedervernässten, waldfreien Kalkmooren sichtbar wohl.

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Naturwächter Thomas Hahn und Dorina Hahn (UNB OPR) demonstrierten, wie bei Erdkröten das Männchen vom Weibchen zum Gewässer getragen wird.

Die Naturwacht hat in den letzten Jahren gezielt Straßenabschnitte im Naturpark kartiert, an denen Amphibien bei ihrer Wanderung vom Landlebensraum zum Laichgewässer und zurück durch den Autoverkehr besonders gefährdet sind. 2014 wurde u.a. ein Bereich am Ortsrand von Zühlen am Schulzensee mit Hilfe eines temporären Amphibienzaunes intensiver untersucht. Die Naturwacht wurde dabei von der Unteren Naturschutzbehörde Ostprignitz-Ruppin und Mitarbeitern vom 2. Arbeitsmarkt der Ländlichen Erwachsenbildung Neuruppin unterstützt. Mehr als 4000 Tiere konnten im Zeitraum von März bis April entlang des 300 m langen Abschnittes nachgewiesen werden.

Reinhard Brehe aus Dollgow und Steffen Schindel aus Lindow unterstützen die Naturparkverwaltung bei der Pflege wertvoller Trockenrasen und Feuchtwiesen. Seit 2012 sind beide Partner im Vertragsnaturschutz. Mit Burenziegen, Thüringer Waldziegen, Eseln und Rauhwolligen Pommerschen Landschafen beweiden sie u.a. den Menzer Wallberg im NSG Stechlin, den Zechower Berg und die aufgelassene Kiesgrube Untermühle im NSG Rheinsberger Rhin und Hellberge sowie die Insel Werder im Gudelacksee. Der im Landesschaftzuchtverband engagierte Brehe vermarktet im Naturpark neben Ziegenfleisch auch Ziegenwurst. Während der zertifizierte Natur- und Landschaftführer Steffen Schindel mit seiner Fa. animal-trekking (Wandern mit Tieren) auch ein außergewöhnliches touristisches Angebot offeriert.

Mit dem Aufbau einer automatischen Bootszählanlage am Rheinsberger Rhin wurde 2013 eine Forderung aus dem Managementplan für das gleichnamige FFH-Gebiet im Naturpark umgesetzt. Mit der Zählung soll geprüft werden, ob der Kanutourismus auf dem naturnahen Fließgewässer im Widerspruch zu den Schutzzielen der NSG-Verordnung steht. Naturparkleiter, Dr. Mario Schrumpf betonte, dass moderner Naturschutz nicht Nutzungen grundsätzlich ausschließt, sondern Rahmenbedingungen definiert, die nachhaltige Nutzungen ermöglichen. Die Auswertung der letzten beiden Jahre zeigt, dass sowohl die Sperrfristen vom 1. November bis zum 15. Juni als auch die tageszeitliche Einschränkung auf das Zeitfenster zw. 10 und 19 Uhr und die vorgeschriebene Nutzung von max. 2er Kajaks eingehalten wurden. In Absprache mit der UNB soll zukünftig im Rahmen eines Monitorings die Bestandesentwicklung wertgebende Arten wie Fischadler, Eisvogel oder Kleine Flussmuschel untersucht werden.

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