Naturschutz und Fischerei in einem Boot

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Fischer Eilke demonstriert der Presse die Funktionsweise der fischottergerechten Reuse

 

 

 

 

 

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Christian Unselt, Vorsitzender der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe im Gespräch mit Fischer Eilke, Silke Oldorff (Naturparkverwaltung) und Dietmar Stehr (Ruppiner Anzeiger) (v.l.n.r.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Wittwesee bei Rheinsberg arbeiten NABU-Stiftung, Fischer und Naturparkverwaltung in Sachen Fischotterschutz und nachhaltige Fischerei Hand in Hand.

Der Wittwesee ist als mesotropher Klarwassersee (Lebensraumtyp 3140) entsprechend Anhang I der Fauna-Flora-Habitat (FFH-) Richtlinie europaweit geschützt. Im Rahmen des naturkundlichen Tauchens wurde der Bestand der Unterwasserpflanzen in den Jahren 2008 – 2014 untersucht und in den Erhaltungszustand „gut“ eingestuft.

Im Managementplan für das FFH-Gebiet Stechlin wurde als wichtige fischereiliche Management-Maßnahme zur Sicherung/Verbesserung des Erhaltungszustandes die Entnahme benthivorer (im Gewässergrund wühlender) Fische vorgeschlagen. Benthivor lebende Fischarten wie beispielsweise Bleie, Karpfen und Schleie können die Wasserqualität durch ihre Art der Nahrungsaufnahme beeinflussen. Zum Aufstöbern von benthischen Beuteorganismen wird von den Fischen das Sediment durchwühlt. Diese Störungen der Sedimentoberfläche machen das Sediment anfälliger für Resuspensionen (Aufwirbelung/Aufschwemmung feinstverteilter fester Stoffe in einer Flüssigkeit) durch windinduzierte Wasserbewegungen. So nehmen die Schwebstoffe in der Wassersäule zu. Die zusätzlich vorhandenen Nährstoffe (aus dem Sediment und der Nahrung der Fische) fördern das Phytoplanktonwachstum. Durch die dadurch bedingte Verringerung des Lichteinfalls im Gewässer wird das Wachstum der Unterwasserpflanzen gehemmt. Durch ihr Verschwinden wird der Trübungsprozess beschleunigt, der den Status des Gewässers sowie die Artenvielfalt (Fische, Vögel etc.) verringert. Zu viele benthivore Fische können insbesondere in Klarwasserseen, wie dem Wittwesee, problematisch sein.

Im Dezember 2014 haben die NABU-Stiftung als Seeeigentümer, der Fischereipächter Herr Eilke, die untere Fischereibehörde und die untere Naturschutzbehörde OPR, die Naturwacht und die Naturparkverwaltung vereinbart, im Frühjahr 2015 bis zum Ende der Laichzeit verstärkt benthivore Fische zu entnehmen. Dazu wurden aktuell 17 Reusen inclusive 2 fischottergerechte Kummreusen gestellt. Nach Auswertung der Ergebnisse soll im Herbst eventuell noch ein Zugnetzeinsatz erfolgen.

Erprobung einer fischottergerechten Reuse unter Praxisbedingungen

Reusen sind wichtige Fanggeräte für die Berufsfischerei. Bei konventionellen Reusen besteht die Gefahr, dass Fischotter, angelockt durch Fische im Reusensack, in die Reuse einschwimmen. Finden sie nicht den Weg zurück, sterben sie einen qualvollen Tod durch Ertrinken. Der Fischotter ist europaweit entsprechend Anhang II der FFH-Richtlinie geschützt; der Ertrinkungstod in Reusen ist neben dem Straßenverkehrstod eine Gefährdungsursache für diese Art.

Um das Einschwimmen des Fischotters zu verhindern, können sogenannte Reusengitter in den Eingang eingebaut werden. Da diese auch das Einschwimmen großer Fische verhindern, schränken sie die Fängigkeit der Reuse stark ein. Unter Federführung der Naturschutzstation Zippelsförde, säugetierkundliche Fachstation des Landesamtes für Umwelt Brandenburg, wurde in den letzten Jahren das Prinzip der Kummreuse versuchsweise in der Seenfischerei erprobt. Der aus der Boddenfischerei an der Küste stammende Reusentyp hat anstelle eines Reusensackes ein sogenanntes Kumm. Damit können auch größere Fische gefangen werden. Da der Kumm nach oben offen ist, können Fischotter gefahrlos aussteigen. Der Einbau eines die Fängigkeiten beeinträchtigenden Gitters ist somit nicht mehr erforderlich.

An die Seenfischerei angepasste Kummreusen wurden in Zusammenarbeit Naturschutz­station Zippelsförde, untere Fischereibehörde OPR, Naturwacht und Naturpark in den letzten Jahren im Rahmen von Fischbestandsuntersuchungen in Seen des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land und darüber hinaus versuchsweise getestet. In Kooperation der o.g. Partner mit der Fischerei Eilke Rheinsberg und dem Seeeigentümer NABU-Stiftung Nationales Naturerbe sollen erstmals Kummreusen im Wittwesee im Fauna-Flora-Habitat (FFH-); EU-Vogelschutz- und Naturschutzgebiet Stechlin in der berufsfischereilichen Praxis an Binnenseen getestet werden. Der Bau der Reusen erfolgt durch die Fischerei Eilke unter fachlicher Beratung der unteren Fischereibehörde OPR und der Naturschutzstation Zippelsförde. Die NABU-Stiftung hat die Materialkosten in Höhe von 1.200 € übernommen.

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Fischer Eilke präsentiert Stolz seinen Fang

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